Ich befinde mich in einer gemusterten Ebene. Der Boden sieht aus wie ein rot-weiss-kariertes Schachbrett. Mein Blick schweift zu einer Treppe, die zu einer höhergelegenen Plattform führt. Dort bewegt sich etwas. Es ist mein Gegner. Ich schaue an mir herunter und sehe die Waffe in meiner rechten Hand. Ich hebe den Arm und laufe auf die Treppe zu. Mein Gegner hat inzwischen den Boden erreicht und versteckt sich hinter einer Säule. Vorsichtig pirsche ich mich heran und ducke mich hinter einem Quader. Plötzlich sagt eine Stimme in meinem Kopfhörer: "Hasta la vista". Ich drehe mich um und es scheint zu spät zu sein. Mit der Waffe im Anschlag steht mein Gegner da und ich warte auf den Schuss, der sich aus der Mündung lösen wird. Doch da blinkt etwas in meinem oberen Gesichtsfeld, die Matrix und mein Gegner verschwinden, ich stecke den schweissnassen Steuerhebel in den Gürtel zurück und nehme den 3D-Helm vom Kopf. Die Zeit ist um. Gesichter tauchen um mich herum auf. Eine Stimme sagt: "Na, wie wars?" Ich befinde mich wieder im...

CYBERSPACE CAFE.

Die 90er Jahre sind der Beginn einer neuen Coputergeneration - dem Cyberspace. Verarbeitet wurde dieses Thema schon in Filmen wie "Tron" und "Rasenmäher-Mann" und Büchern wie William Gibsons Kult-Roman "Neuromancer". In der Realität besteht Cyberspace leider (oder zum Glück?) noch nicht aus surrealistischen 3D-Landschaften und implantierter Elektronik (einfach einstöpseln, umrühren - fertig!).

Das Ergebnis des heutigen Stands der Technik in Sachen virtueller Realität kann man derzeit am Kudamm (zwischen McDonalds und dem Zoo-Palast) für 7 DM hautnah erleben. Im dortigen Cyberspace-Cafe stehen die vier ersten Automaten dieses Genres in Berlin. Man hat die Qual der Wahl zwischen den Spielen "Dactyl Nightmare" (2-Spieler-Duell) oder "Air Chicken" (Flugzeug fliegen). Doch wie funktioniert Cyberspace eigentlich? Beim Spiel "Dactyl Nightmare" geht es darum, den Gegner in der zur Verfügung stehenden Zeit so oft wie möglich abzuschießen. Auf zwei einander gegenüberstehenden Podesten stehen die Spieler ausgerüstet mit Cyber-Brille (für den realen 3D-Effekt und den Sprechfunk) und Cyber-Joystick (für Laufen und Schießen) und machen sich dann in der alternativen Realität das Leben schwer. Der eingebaute Kopfhörer versorgt einen mit sphärischer Musik, damit man von der Umwelt völlig abgeschottet ist. Nach der Eingewöhnungszeit hat man dann drei Minuten Zeit, den anderen vom Feld zu fegen.

Das ist zugegebenermaßen schon eine einmalige Sache. Doch mußten denn schon die ersten Produkte einer neuen Generation der Technik so gewalttätige Anstriche haben? Beide Spiele leben nur von der Gewalt. Ob nun beim Flugzeuge Abschießen im ersten Weltkrieg ider beim Duell gegen Freund oder Freundin, der Thrill des Töten bestimmt das Spiel. Dabei gibt es doch genug Genres, die die Vorteile des neuen Mediums Cyberspace genauso ausnutzen könnten und dabei aber den Faktor Gewalt auf ein Minimum reduzieren. Man denke zum Beispiel an Autorennen, Rollenspiele oder Simulationen. Es gibt meiner Meinung nach in der Realität schon genug Gewalt, als daß sie auch noch Einzug in die Virtuelle Welt halten muß. Trotz alledem ist es ein tolles Erlebnis und wenn es Euer Geldbeutel zuläßt, kann ich Euch nur empfehlen, dem Cyberspace-Cafe einen Besuch abzustatten.

Robert.

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