Aquarium

Jeder kennt das Nachtprogramm auf ORB - keine Action, keine nackten Frauen, keine Wiederholungen. Also nichts, was normalerweise Leute um diese Zeit vor den Fernseher lockt. Da ist es schon erstaunlich, daß sich jede Nacht zahlreiche Bundesbürger vor den Bildschirmen versammeln, um dem Leben der gestreßten Starfische des ORB beizuwohnen.
Doch wie kam es zu dieser revolutionären Entdeckung? BENNOS HÜTTE beleuchtete in Zusammenarbeit mit der BALD-Zeitung die Hintergründe.

Vor ungefähr zwei Jahren hatte ein erst seit kurzem arbeitsloser Chefredakteur des ORB (seine Sendung war die einzige, die in der Geschichte der Gfk jemals negative Einschaltquoten hatte) die glorreiche Idee, daß es außer Wiederholungen, weißem Rauschen und Seppl-Pornos auch noch andere Programe geben müßte, die nächtens die Einschaltquoten in die Höhe klettern lassen. Nachdem er verschiedene Konzepte wieder fallengelassen hatte, entdeckte er in seinem Hobbykeller hinter einem Regal Senfgurken ein verstaubtes Aquarium und ein mumifiziertes Guppy-Pärchen. Nachdem er haarscharf kombiniert hatte, daß beides ursprünglich zusammengehörte, nistete sich eine Idee in seinem Kopf ein.
Ein Rudel Fische in einem beleuchteten Aquarium vor einer laufenden Kamera - das ist es! Das Budget ist gering, die psychologische Wirkung bewiesen... Verblüfft trat er zurück. Sollte es so einfach sein?!
Ergriffen von seiner Genialität zerbrach er das mumifizierte Guppy-Weibchen in seiner Hand. Dem Guppy-Männchen machte das aber auch nichts mehr. Als er seine Fassung wiedergefunden hatte, schrieb er alles auf und hatte wenige Tage später einen Job als Programmgestalter beim ORB...

Ein paar Monate darauf versammelten sich etwa 2500 Zierfische aus den neuen Bundesländern zum Casting im brandenburgischen Bad Erpelsdorf. Die gesamte menschliche Prominenz Brandenburgs war natürlich auch anwesend. Ministerpräsident Manfred Stolpe machte sich aber gleich zu Beginn der Veranstaltung unbeliebt, als er mit einem fröhlichen "Petri Heil" an den Aquarien vorbeiging... Auf Grund eines bis heute nicht bewiesenen Sachverhalts kam es jedoch bald zu Pöbeleien unter den Fischen. Den Anfang machte ein Blackmolly, der einen Schwertträger mit "blub blub" (schwanzloses Glubschauge) beschimpfte. Vom Gelächter der Fische ringsum angegriffen beschimpfte der Schwertträger alle Anwesenden als "glurps gurbl" (zahnlose Triefnasen) und "burbl blubber" (Söhne eines räudigen Spiegelkarpfens, dessen Füße nach Käse stinken). Nur die Wände der einzelnen Wasserbecken verhinderten, daß es unter den Fischen zu einer Rauferei kam...
Doch nicht immer blieb es so friedlich. Ein Piranha bekam beim Probeschwimmen vor der Kamera plötzlich Hunger und aß neben einer Guppy-Familie auch noch einen Goldfisch, den wir alle als Stuntfisch aus Filmen wie "Der weisse Hai", "Moby Dick" und "Flipper" kennen und der sich der Stellung schon sicher war.
Der Rest der Veranstaltung lief dennoch relativ glatt ab und die Gewinnerfischfamilie aus Finsterwalde-Dodeleben im Kreis Mittenwalde sehen wir jede Nacht auf ORB um die Wette schwimmen. Darum: Mitmachen, Leute.

Rob

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