Öffentliche Sauereien

Als ich an einem herrlich sonnigen Sonntag aus der S-Bahn stieg und (noch) glücklich und zufrieden die Treppe des Friedrichshagener Bahnhofs hinunter lief, ahnte ich bis dato nicht, daß meine angst, mein Fahrrad könnte eines ganz entfernten Tages Opfer von bösen Räubern oder Drahteselfetischisten werden, auf wunderliche Weise bestätigt wurde: Ich komme aus dem Bahnhofsgebäude, laufe, vorbildlich nach links und rechts schauend, über die Straße, zücke selbstsicher den obligatorischen Fahrradschloßschlüssel und...: NICHTS, kein Schloß und auch kein Fahrrad. Ich stecke also erst einmal den Schlüssel in die Tasche, um nicht die umherlaufende rechtschaffene Neugierde zu erregen und überlege krampfhafst, ob ich nicht in einem Anfall schizophrener Übereile einen anderen Stellplatz für mein rotes Vehikel gesucht hatte. Ich renne also hin und her, hin und wieder her. Fehlanzeige!

So bin ich nun leicht zerknirscht und schwer enttäuscht nach Hause gelaufen und war ständig am Überlegen, wer ein unschuldiges und verachtetes (vorne) Stangenrad in einer einsamen Nacht mitnimmt und sich vorher die Mühe macht, mit einem vielleicht dreimal so teurem Bolzenschneider das Schloß zu knacken. Wahrscheinlich wollte ein Mitglied einer Friedrichshagener Pseudo-Clique seinen neuen Werkzeugkasten ausprobieren oder es mußte eine neue supergefährliche Mutprobe abgelegt werden, um das Prädikat "hemmungslos" zu erhalten. Aber offen gestanden, ich weiß es nicht, doch bin ich nicht allein als hilfloses Opfer. Also schlage ich vor, daß sich alle ähnlich Betroffenen und deren Sympathisanten in einer Interessengemeinschaft zusammenfinden, alte Photos anschauen und alte Biker-Songs summen, um den DIE-GANZE-WELT-IST-SCHEISSE-WEIL-MEIN-FAHRRAD-WEG-IST-FRUST abzubauen und sich mental wiederzufinden.

Christian

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