Ich bekenne!

Meine ersten Überwachungsfotos des Verfassungsschutzes zeigen mich nicht auf einer Antiolympiaparty oder als volksvergiftenden Haschischdealer, sondern bei Kaffee und Marmeladenbrötchen mit Vertretern der neofaschistischen Führungselite.

In der Cafeteria des Kongresszentrums am Alex saß ich mit meinem alten Kumpel B. und seinem Kameraden Arnulf P.! Sagt euch nicht viel, was? P. Ist wahrscheinlich die Nummer Eins der Neonaziszene Berlin-Brandenburgs und mitverantwortlich für verschiedene Anschläge auf Denkmäler usw. und Übergriffe auf Ausländerheime, besetzte Häuser usw. Von einem Typen in SS-Kampfanzug, mit blauem Auge, zertrümmerter Hand und langen Haaren mit Stirnband, der die 40 schon überschritten hat, glaubt man nicht, daß er mehr als in Kneipen nur Sieg Heil rufen kann. Kleine Fehleinschätzung: P., oder Arnulf unter Kameraden, ist ein glänzender Rhetoriker und hat auf jeden Fall Charisma; er verfügt über beste Verbindungen zu faschistischen Organisationen im In- und Ausland.

Während unserer etwa halbstündigen Unterhaltung erfuhr ich über die Auschwitzlüge und die heldenhafte Waffen-SS mehr oder weniger interessante Details, erhielt aber auch interessante Infos über Organisation und innerparteiliche Strukturen der FMJ (früher NA/DA), die in den Wäldern Brandenburgs Treibstoff-, Lebensmittel- und Waffendepots angelegt hat und dort Wehrsportübungen mit Ausbildung an der Waffe abhält. Diese grotesk anmutenden Kriegsspiele dienen offenbar dem Aufbau terroristischer Gruppierungen.

Der Berliner ANTIFA ist P. bekannt, doch seiner Meinung nach respektieren sie ihn, nachdem er mit einem Kommando in ihre Zentrale im Wedding eingedrungen war, um die Fronten zu klären. Der Staatsschutz ist da allerdings anderer Meinung: Nachdem in einer ANTIFA-Zeitung P.s Konterfei abgedruckt wurde, überwachte man ihn, um ihn vor Übergriffen schützen zu können.
Ich konnte mich auch davon überzeugen, daß rechtsradikale Extremisten wie P., der keiner Arbeit außer seiner Parteiarbeit nachgeht, von Sponsoren technisch und finanziell unterstützt werden; P. fährt einen Opel Omega, mit Funktelefon und Mobilfunk versteht sich, als Spende eines alten Kameraden.

Ich persönlich halte die rechte Szene für sehr gut organisiert, ausgerüstet und hervorragend geführt. Leute wie P. sollten auf jeden Fall ernst genommen werden und niemand sollte sie als Spinner abtun.

Sven

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