BALD berichtet: Wieder Tote in der Aufenthaltsraumaffäre
Einen erneuten Todesfall forderte die sogenannte Aufenthaltsraumaffäre. Schon vor einiger
Zeit (BALD berichtete im Augustheft) starben vier Schüler, sowie ein nicht anwesender
Lehrer bei der mißglückten Schlichtung einer Geiselnahme. Die Forderungen von damals
lauteten: "Ein Aufenthalsraum mit Sofa, ein Radio, eine Kaffeemaschine, Spiel,
Freibier, eine Tomate und einen Fisch oder einen Tomatenfisch und sonst nix!" Die
Analogien zu dem jetzigen Fall sind erschreckend. Der Schüler Martin Hü.-P. (18 19/75)
ertränkte sich und seinen Taschenrechner auf einer der hoch modernisierten
Schülertoiletten. Erste Verlautbarungen, es handele sich um einen Unfall, der beim
Zähneputzen passiert sei, wurden überraschend widerlegt, als der nicht fingierte (die
Briefmarke hatte 52 Zacken) Abschiedsbrief in unserer Redaktion auftauchte:
Brüder und Schwestern!
Ich hatte einen Traum, einen Traum von einem gemütlichen Aufenthaltsraum mit Sofa und
Sessel (...), eine Art Schulklub, einem Platz der Begegnung. Dort hätten wir uns in
Springstunden treffen können, unsere Aufgaben lösen, über Gott, die Welt und
Badeschwämme philosophieren und, ja hallo, auch über unsere Probleme sprechen können.
Wir hätten Veranstaltungen organisieren können, Lesungen zum Beispiel,
gemeinschaftliches Meditieren und Entbindungskurse. Die Gänge wären ruhig gewesen,
niemanden hätten wir gestört, wir Schüler hätten eine Bestimmung gehabt, alles wäre
so schön und friedlich gewesen, (...) sogar die Sesamkörner hätten wir brüderlich und,
ja auch schwesterlich geteilt. Doch dieser Traum ist für mich zerstört. Ich sehe keinen
Ausweg mehr. Ich nehme mir das Leben, werde eingehen ins Nirvana (that's not only teen
spirit) und der, der meine letzte rationale Beziehung zum Leben darstellte, soll mit mir
gehen.
Love & Peace, Euer Bruder MARTI alisch
Zeilen, die betroffen machen. Obwohl es sonst nicht unsere Art ist, auch Hintergründe zu
den Skandalen zu liefern, versuchen wir es heute doch (Lieber Stammleser, wir wissen, daß
Sie sich jetzt überfordert fühlen, aber nicht verzweifeln...). Wir, die wir alle noch
nie ein Gymnasium von innen gesehen haben, können gar nicht nachfühlen, wie es den
Gymnasiasten ergeht. Es gibt zu wenig Räume an ihrer Schule. Selbst die mittlerweile
entstandenen Lehrertoiletten müssen nun zum Unterrichten genutzt werden. Unverstanden
bleibt deshalb, warum jedes Jahr wieder drei neue 7. Klassen aufgenommen werden müssen.
Nun endlich aber wird unter großen Anstrengungen ein Raum frei, jedoch was soll aus ihm
werden? Ein Arbeitsraum, eine Gemeinschaftsresignationskammer oder ein Aufenthaltsraum?
Und wenn ein Aufenthaltsraum, wie soll dieser aussehen? Soll eine Art Schulklub integriert
werden? Fragen, die schon erste dramatische Konsequenzen forderten. Wie wird es
weitergehen, fragen wir uns da besorgt. Immer noch ist BALD bereit für Euch zu kämpfen.
Alles, was Ihr dafür braucht, sind Ideen, Vorschläge und ein BALD-Abo. Wir und unsere
hauseigene Psychologin Frau Dr. Beutel
(nicht-mehr-Döselbrink-weil-von-ihrem-einzigen-Patienten-geschieden) stehen Euch mit Rat
und Tat zur Seite.
daslars