BALD berichtet, und das sogar außerschulisch
In Zeiten von Wirtschaftsrezession und Politikverdrossenheit ist es notwendig und wichtig,
einmal eine Lanze für das Pflichtbewußtsein und den Arbeitseifer unserer deutschen
Beamten zu brechen. Am besten läßt sich das an einer Geschichte zeigen, die sich vor
geraumer Zeit im S- und U-Bahn-Dschungel Berlins abspielte.
Es begab sich aber zu der Zeit, daß wir uns in einem S-Bahnzug in Richtung City befanden, um uns ein wenig Großstadtluft um die Nase blasen zu lassen. Wir ruhten alle unsere alltagsgestreßten Gliedmassen auf braungepolsterten Sitzgarnituren aus und ließen uns genüßlich den Fahrtwind durch die fettigen Haare wehen. Aber dann, man ahnte nichts Böses, öffneten schicke blaue Uniformen die Hydrauliktüren unseres Waggons und begrüßten uns mit einem eisernen "Die Fahrscheine, bitte!" Trotz (so dachten wir) gültiger Umwelt- und Seniorentickets beschlichen uns erste Anfälle von schlechtem Gewissen und mit zitternden Händen suchten wir nach unseren S- und U-Bahnmitfahrberechtigungszertifikaten. Doch wie überraschend klang dann die freundliche Bitte "Komm'se mit raus!" in unseren Ohren. Verblüfft und eingeschüchtert fragten wir nach dem Grund und erfuhren, daß die Beamtin, die das Ticket ausstellte, nicht zur Weiterbildung nach Brieske mitfahren durfte und so das nötige Wissen nicht besaß. Es fehlte ein Datum, und das war sehr, sehr wichtig und der Fahrschein war ungültig! Wir hielten es noch für einen blöden Scherz, aber nein, wir mussten aussteigen und es wurden Namen protokolliert, Fingerabdrücke genommen und Stasiakten gewälzt. Mit viel Glück und Geschick gelang es uns dann, einen sympathischen BVG-Schaffner davon zu überzeugen, uns mit dem Ticket (es war ja immerhin bezahlt) weiterfahren zu lassen. Frohgemut und glücklich, das schwere Schicksal noch einmal abgewendet zu haben, stiegen wir in den nächsten Zug und die ganze Beamtenschar hinterher, nur der gnädige Erlaubnisgeber nicht, und schon waren wir wieder mit ungültigem Fahrschein ertappt. Panisch und dem Wahnsinn nahe suchten wir unter einer der blauen Mützen Harald Schmidt oder wenigstens irgendwo nach einer Kamera. Aber nein, wir mußten wieder raus und hatten Glück, diesmal mit einem teuren 1,80 DM Fahrschein davonzukommen. Dann, nach Stunden der Qual und Erniedrigung gelangten wir endlich an unser Ziel und konnten unsere wunden Seelen pflegen.
Jetzt, nach einiger Zeit, beginne ich aber die Gründe unserer S- und
U-Bahnmitfahrberechtigungszertifikatkontrolleure zu verstehen. Ich verstehe ihre Ängste
um ihren Job, ihre Sorge vor Lohnkürzungen oder einer Heitmann-Diktatur, und die deswegen
gnadenlose Pflicht gegenüber Kriminellen, Autonomen und Schwarzfahrern. Die blaue Macht
hilft, daß Leben sicherer zu machen und deshalb schaue ich oft der B1-Bahn zu!
Gastkommentar II. Gymnasium: Andreas oder Zach oder Zachi, je nachdem was cooler ist.