PRAHA
Angekommen an den Prager Hauptbahnhöfen "Holesovice" oder "Hlavni
Nadrazi" fährt man erst einmal Richtung Zentrum und sucht sich eine Unterkunft.
Meistens wird man schon am Bahnhof darauf angesprochen, aber Vorsicht!, diese Zimmer
liegen nicht selten sehr weit vom Stadtkern entfernt und entsprechen nicht unbedingt dem,
was versprochen wurde. Besser ist es, sich etwas Günstigeres an einer der vielen
Vermittlungszentralen zu mieten. Zum Beispiel eine Wohnung für 4-6 Personen mit Küche
und Bad und einem Schlüssel zu derselben für 10-20 DM pro Bett und Nacht, und das ist
vom Zentrum aus in 15 Minuten zu erreichen. Wenn alles gut verstaut ist, geht es sicher
erst einmal in die Stadt.
Nun muß der erste Eindruck nicht unbedingt der beste sein, denn hier kann man in den Haupttouristengegenden selbst in Nicht-Saison-Zeiten kaum treten. Die meisten Menschen sind Busreisetouristen westlicher Herkunft und dementsprechend sind auch Benetton, Persil und McDonalds im Stadtbild zu verstehen. Schade ist auch, daß man dort keinen Prager trifft, denn ein solcher kann sich diese explodierende Importfreiheit nicht leisten. Sobald man aber diese Anlaufpunkte verläßt und sich in die weniger überlaufenen Seitenstraßen und Gässchen flüchtet, wird sich ein wunderschönes, ganz anderes Prag bieten, mit all seinem Charme und den vielen typischen Kneipen, in denen tschechisches Bier und (natürlich) Gulasch mit Knödeln gereicht werden. Jene finden sich in den zahlreichen Gassen, deren Anfang, Ende und Verlauf man nur erahnen kann. Nach anfänglichen Wirren kommt man schließlich darauf, einen Stadtplan zu besorgen, aber auch ohne diese Hilfe lernt man innerhalb weniger Tage, sich in Prag zurechtzufinden.
Prag hat eine Menge gegen Langeweile aufzubieten, so kann sich der kulturfreudige Mensch in Hunderten von Galerien und Kunstausstellungen mit verschiedensten Themeninhalten weiterbilden. Besonders interessant sind die Einrichtungen der Nationalgalerie (europäische Kunst/alte Kunst Böhmens/ständig wechselnde Grafiksammlung) - die Eintrittspreise sind erstaunlich billig: 10 Kcs für Schüler und Studenten (1 DM = ca. 13 Kcs).
Da Prag in fast jeder geschichtlichen Epoche eine bedeutende Rolle als wirtschaftliches, kulturelles Handelszentrum spielte und viele Herrscher vergangener Tage hier ihre Residenz hatten, nehmen Bauwerke verschiedenster Stile architektonischer Baukunst ihren Platz ein. Ein besonderes Misch-Masch an diesen Stilen bietet die Prager Burg und Umgebung auf dem Hradchin. Hier sollen zwei Fensterstürze 1419 die Hussitenkriege und 1618 den 30jährigen Krieg eingeläutet haben.
Über die Karlsbrücke, die ursprünglich, genauso wie die Burg, aus der Zeit der Spätgotik stammt, gelangt man auf die östliche Seite der Moldau, wo sich kulturell das meiste abspielt. Hier kreuzen sich auch die drei Metrolinien an drei markanten Stellen (es empfiehlt sich, gleich mehrere Fahrscheine zu kaufen, sie gelten in Bus, Tram und Metro für eine Fahrt, denn auch hier gibt es Kontis). Metrofahren ist sowieso ein Erlebnis für sich. Rolltreppen endloser Länge führen bis zu 40 Meter tief in die Erde, wo eine ziemlich futuristisch anmutende Röhrenhalle auf die ziemlich oft fahrenden Züge wartet, ähnlich der Moskauer Metro, was die Form betrifft.
Im Zentrum laufen des nachts irgendwelche Pop- und Technodiscos, wer was besseres sucht, wird aber auch fündig. Da gibt es zum Beispiel das Rockcafe mit gemütlichem, angegliedertem Jazz-Keller, oder den Ale-Pub, ein Heavyschuppen nahe dem Platz "Republiki". Von dort aus ist es dann auch nur einen Prager Fenstersturz weit zum Bunkr, der zwar musikalisch breit gefächert ist, trotzdem aber ein gewisses Niveau ausstrahlt.
Kneipen gibt es hier, wie schon erwähnt, sehr viele. Überhaupt nicht mehr empfehlenswert ist das "U Fleku", auch wenn der Papa als Student dort schon war - das urgemütliche Flair, welches dort vom 16. Jahrhundert bis vor einigen Jahren herrschte, ist einer maximal auf Gewinn orientierten Schwarzbiermästungsanlage gewichen. Einen Überblick über die Stadt kann man sich auf dem dem Pariser Eifelturm frei nachempfundenen Aussichtsturm nahe dem Hradchin verschaffen. Weiterhin sei hier das erst im 19. Jahrhundert eingemeindete jüdische Viertel "Josefov" mit dem alten jüdischen Friedhof und der Ausstellung erwähnt. Leider relativ hoher Eintrittspreis, aber das läßt sich bei dem großen Restaurationsaufwand verschmerzen.
Zusammenfassend wäre es töricht, Prag als wunderschöne Stadt zu betiteln, wo man doch
sicher sowieso nur die Innenstadt gesehen hat. Prag, eine Mischung verschiedenster
Komponenten, gibt dem aufmerksamen Besucher ein Gefühl, das er nicht erwartet hat,
welches ihm aber dennoch bald angenehm und vertraut wird.
Alex