INTERVIEW MIT HERRN FRANKE, DEM PROJEKTLEITER VON "JUNG
HILFT ALT"
BH: Herr Franke, unser erster Eindruck ist, daß sich das Projekt noch so ziemlich im
Aufbau befindet, stimmt das?
FRANKE: Das ist genau das, was wir wollten bei Null anfangen, da einerseits die
Jugendlichen gern selber was aufbauen wollen und andererseits die finanziellen Mittel
fehlten. Das Projekt ist Bestandteil des Vereins Jugendwerk Aufbau Ost, der die
Zielstellung hat, Jugendliche aus der Arbeitslosigkeit herauszuholen und ihnen ein neues
Betätigungsfeld zu geben. So gehören zum Jugendwerk weiterhin beispielsweise das Projekt
"Jugendschiff Köpenick", ein Frauenprojekt in Prenzlau und ein Projekt in
Richtung Kfz-Technik in Hellersdorf.
BH: Woher kommt die Initiative dafür?
FRANKE: Die Initiative kommt eigentlich von den Jugendlichen selbst - ihre Ideen wurden
von Fachkräften aufgegriffen, um sie zu verwirklichen, wie auch bei diesem Projekt. Die
Grundförderung dafür läuft über das Bundesministerium für Familie und Jugend.
BH: Das ist dann sozusagen der Träger?
FRANKE: Der Träger an und für sich weniger, es ist der Grundfinanzier, ohne das
Ministerium würden Senat und Kommune nicht mitspielen. Bei der Diskussion im Vorfeld
hatten sich die Politiker gegenseitig den Ball zugeschoben, denn diesem Projekt speziell
geht es um die Heranführung der Jugend an den Pflegeberuf, den es ja zu DDR-Zeiten im
Grunde nicht gab. Gerade hier ist ein gewisses Interesse der Jugendlichen an Sozialarbeit
vorhanden und dem Pflegeberuf fehlt der Nachwuchs, so haben wir die Jugendlichen
angesprochen, um zu versuchen, sie zu befähigen, mit älteren Bürgern zu arbeiten und
ihnen die Möglichkeit zu geben, an einer Fachschule eine berufsbegleitende Ausbildung zu
machen, so daß sie nach 2-3 Jahren in der Lage sind, von einem Senioren betreuenden
Verband angestellt werden zu können.
BH: Wie steht es dabei mit der finanziellen Seite?
FRANKE: Da es sich um eine ABM handelt, werden den Jugendlichen abhängig von ihrer
sozialen Lage 1000-3000 Mark gezahlt.
BH: Wie sieht es mit der Öffentlichkeitsarbeit aus?
FRANKE: Die Informationen liegen dem Arbeitsamt vor, außerdem wurde im Vorfeld mit den
Jugendklubleitern geredet oder man kam zu uns.
BH: Welche Chancen hätte ich als Zivildienstleistender bei ihnen?
FRANKE: Diese Sache mußte leider erst mal zu den Akten gelegt werden; das ist ein
finanzielle Frage, denn beim Zivildienst muß der Arbeitgeber 75% dazu zahlen und die
haben wir nicht.
BH: Was konkret erwartet die Jugendlichen in dem Projekt?
FRANKE: Generell kann man in der Alten- und Krankenpflege mit allem rechnen, unser Projekt
umfaßt aber mehr den Hauspflegedienst. Wir betreuen vorrangig ältere Bürger, die
Zuhause leben, aber das eine oder andere nicht mehr alleine schaffen - spazieren gehen,
einkaufen, zum Arzt oder zu Behörden gehen - also den Bürger so lange wie möglich
aktivieren - er also auch mal ins Kino oder Theater geht oder mal einen Besuch macht.
BH: Arbeiten sie auch auf die medizinische Pflege hin oder beschäftigen sie sich vom
Konzept her mit der sozialen Seite?
FRANKE: Vom Konzept her beschränkt es sich auf die soziale Seite. Unsere Zielstellung
dabei ist es, den Jugendlichen so weit fachlich vorzubereiten, daß er eine
Festeinstellung kriegen könnte.
BH: Ist das Projekt nun angelaufen?
FRANKE: Ja, das Projekt ist recht gut gestartet im Dezember, zahlreiche
Heimweihnachtsfeiern wurden unterstützt, die Heime haben mit den Jugendlichen gute
Erfahrungen gemacht.
BH: Wie viele Jugendliche haben sie momentan?
FRANKE: 16.
BH: haben sie das Gefühl, daß die Jugendlichen schon ein bißchen eine persönliche
Beziehung aufgebaut haben?
FRANKE: Ja, das ergibt sich ja aus gemeinsamem Einkauf, Besuch usw. Anfangs hatten wir
Vierer-Teams, jetzt haben wir soviel Bedarf, daß immer nur zwei Jugendliche gemeinsam
unterwegs sind.
BH: Mangelt es da schon an Jugendlichen oder an Geld?
FRANKE: Nein, noch ist Luft drin, manchmal sitzen die Jugendlichen dann bei uns und
beschäftigen sich mit Gesetzen oder Problemen.
BH: Spezielle Pläne für die Zukunft?
FRANKE: Wir wollen in diesem Monat eine Parallelgruppe in gemeinnütziger Tätigkeit
starten, da sich Jugendliche der 9.-10. Klasse gemeldet haben, die Interesse haben, da sie
vielleicht einen ähnlichen Beruf erlernen wollen. Sie wollen nach der Schule ältere
Bürger betreuen - das würde uns helfen, alldieweil wir so Zeit für andere Dinge hätten
- beim bloßen Spaziergang von Alten und Schülern bliebe es dann vielleicht nicht.
BH: Wenn ich also interessiert wäre, müßte ich mich dann also direkt hierher wenden?
FRANKE: Ja, hier ist jetzt durchgehend von Montag bis Freitag von 8 bis 15 Uhr jemand da,
es reichte aber auch, mal anzurufen. Vielleicht noch ergänzend: Der nächste Stützpunkt
dieser Art wird im Bereich Adlergestell entstehen, Mitte des Jahres folgt noch einer im
Land Brandenburg - wir haben vor, schnell zu expandieren.
BH: Dann viel Erfolg für die Zukunft und Danke für dieses Gespräch!
Aufgezeichnet von Robert und Mat