| www.bennoshuette.de - Bennos Hütte - das E-Zine aus Berlin | Erschienen in: Ausgabe 1, Oktober 1999 - zurück zur Startseite |
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Endlich Sonntag einkaufen | (daslars) |
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Im Sommer 1999 wars, da wehte ein Hauch von Revolution über die bundesdeutsche Republik. Und natürlich ging es um den gesellschaftlichen Fortschritt. Gesetze wurden gebrochen, Reden auf öffentlichen Plätzen geschwungen, die Machthabenden mit halblegalen Aktionen provoziert. Alles nichts Neues, nur daß dies nicht aus den Reihen derer kommt, die bis jetzt dafür bekannt waren, sondern aus den Reihen der Vertreter großer Konsumketten. |
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Die Verhältnisse sind verkehrt, die Mitglieder der ehemaligen APO und deren Nachfolger sitzen im Bundestag und haben ihre Ideale verloren, die großbürgerlichen Kaufkettenleiter proben den Aufstand und selbst die Gewerkschaften überlegen, ob sie sich nicht mit der CDU gegen die SPD verbünden sollen. Großes Sommertheater! Die, aus deren Reihen sonst selten solche Töne zu hören sind, probten sich nun in Basisdemokratie. Abstimmen an der Kasse nannten sie das. Und viele kamen, um ihre bunten Stimmzettel abzugeben, auf denen zwar keine Partei, sondern DM stand - aber spätestens seit der Volkskammerwahl 1990 sollte uns nicht mehr überraschen, daß das im Zweifelsfall mehr Leute mobilisieren kann, als jede politische Losung. Nicht daß wir uns falsch verstehen. Auch ich denke, daß das Ladenschlußgesetz überholt ist. Wie in anderen Europäischen Ländern sollte es auch bei uns möglich sein, rund um die Uhr einzukaufen, nur daß sich ausgerechnet die Chefs der großen Kaufhausketten in der Revoluzzerrolle gefallen, wirkt schon beinahe lächerlich. Fehlt nur noch, daß sie Sit-Ins organisieren und sich mit den Ordnungshüttern Straßenschlachten liefern. Niemand glaubt ernstlich, daß sie wirklich nur den gesellschaftlichen Fortschritt im Sinn haben, sondern wohl doch eher ihren Umsatz. Und die, die sich an den Kassen drängten, sind bestimmt auch nicht die, die während der 80 Stunden Öffnungszeit in der Woche nicht dazu kommen, die nötigen Einkäufe zu erledigen. Es geht noch um etwas anderes, Shopping ist mittlerweile nach dem Fernsehen die wichtigste Freizeitbeschäftigung und wichtigster Bestandteil der westlichen Kultur geworden. Es geht nicht mehr nur darum, den Bedarf an Waren zu decken. Einkaufen ist zusätzlich Unterhaltung und gesellschaftliche Statusbestimmung. Immer öfter zieht es die Leute in ihrer Freizeit in die Einkaufszentren, nicht nur um einzukaufen. Hier finden sie die Form der Freizeitbeschäftigung, die sie mehr als die meisten anderen Kulturangebote zu unterhalten und von Problemen abzulenken vermag, die einem als Kunde König Macht und Anerkennung verschafft, und die die Befriedigung verschafft, die anderswo versagt bleibt. Die Art und Weise, wie Kaufen und Verkaufen mittlerweile zelebriert wird, ist Ausdruck der zentralen Rolle, die es in unserem Leben einnimmt. Ein glückliches Leben ohne Shopping ist kaum noch vorstellbar. Selbst Kinder und Jugendliche treffen sich nachmittags mit ihren Freunden am liebsten in diesen "Erlebniswelten" der Neunziger, und werden damit die dankbaren Konsumenten von Morgen. Shopping ist zentraler Teil unserer Kultur, und leider die einzigste Art, die massiv gefördert und ausgebaut wird, da sie unsere Gesellschaft aufrecht erhält. Die wichtigste Bürgerpflicht ist Konsum. Nur wenn konsumiert wird laufen die Wirtschaftsräder rund und nur so ist weiteres Wachstum als d i e Grundvoraussetzung garantiert. Wachstum ins Unermeßliche? Das Ladenschlußgesetz wird fallen, und das ist auch
gut so, aber nicht, um den Bürgern ein angenehmeres Leben zu ermöglichen, sondern weil
der Konsum der mächtigste Stützpfeiler dieser Gesellschaft ist. |
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| Autor: daslars, daslars@bennoshuette.de | Artikel kommentieren | Copyright 1999, Bennos Hütte |