| www.bennoshuette.de - Bennos Hütte - das E-Zine aus Berlin | Erschienen in: Ausgabe 1, Oktober 1999 - zurück zur Startseite |
Der spanische DJ José Padilla wurde Anfang der neunziger Jahre durch seine Mischung aus Chillout und balearischen Sounds weit über die Grenzen der weißen Insel bekannt. Sein einzigartiger Stil sprach sich schnell herum und seine Tapes waren heiß begehrt. Letztendlich entstand aus den langen Nächten im "Café del Mar" eine der bekanntesten CD-Serien der elektronischen Musik. Jetzt bin ich auf dem Weg, zum Ursprung, wo alles begann.

Zugegeben, ein Pilgermarsch ist es nicht dorthin, eher ein "Al Café del Mar, por favor!" zum Taxifahrer. Und da ist es. Das weiße Banner verrät es, ein eher unscheinbares Strandcafé im Erdgeschoß eines unansehlichen Appartmenthauses. Man kann drinnen sitzen, auf schönen Polstern in weiß-blauem Ambiente (wegen der See, nicht wegen der Bayern), man kann auch draußen sitzen, was die meisten Leute tun. Aber ehe man am Tisch bedient wird, ist die Nacht um, also holt sich man sein "San Miguel" (una cerveza muy bien) lieber direkt von der freundlichen Bedienung an der Theke. Chris und ich finden nach dem Gang zur Bar Platz auf einer der Strandliegen vor dem Café. Um uns herum versammeln sich immer mehr Menschen, die Blicke auf das Meer gerichtet. Dort wird bald die Sonne über der Insel mit dem Leuchtturm auf der anderen Seite der Bucht untergehen.
Der DJ hat sein Pult direkt neben der Bar, und als ich mein zweites "San
Miguel" hole, frage ich höchst ehrfürchtig, wer denn heute Abend hier auflege.
Sollte es José Padilla sein, sinke ich wahrscheinlich vor dem Pult auf die Knie und
huldige ihm eine Weile. Doch es istBruno, Brrrrrrruno.
José Padilla lege schon seit drei Jahren nicht mehr im Café del Mar auf. Er war zuerst
noch einige Zeit im "Café Mambo", der Konkurrenz direkt nebenan, heute
beschäftige er sich mit ganz anderen Dingen. Und die gerade erschienenen CDs "Café
del Mar Volumen Seis" und"Café del Mar Aria" werden definitiv die letzten
der Serie sein. Na gut, also kein Huldigen. Nebenbei, nichts gegen Bruno, er verwöhnt die
Gäste mit soften Beats und sanften Klängen mindestens ebenso wie José.
Jetzt ist es fast Zeit, die Sonne ist ein großer roter Ball, der noch ein wenig unentschlossen schräg über dem Leuchtturm hängt. Das Café ist gefüllt, selbst die Strandliegen sind nahezu komplett belegt. Bewegung verursachen nur noch die aufgeregt auf den Klippen balancierenden Photographen, die der festen Überzeugung sind, einen 149,6 Millionen Kilometer entfernten Stern mit Blitzlicht noch dramatischer auf ihren Urlaubsfilm bannen zu können.

Wenig später berührt der Rand der Sonne die Insel. Von nun an sind es nur noch einige Minuten, bis sie sich unseren Blicken für heute entzogen hat. Zum Finale entzündet sie noch die Schäfchenwolken am Horizont, taucht sie in gelb-rotes Licht. Sekunden später, nachdem auch der letzte Strahl der Sonne verschwunden ist, applaudiert die versammelte Menge. Es ist alles wahr.
Bruno legt jetzt Deep House auf, schließlich ist heute "GodsKitchen" Pre-Party, da muß man die Leute ein bißchen in Stimmung bringen.
(rob)
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