www.bennoshuette.de - Bennos Hütte - das E-Zine aus Berlin Erschienen in: Ausgabe 1, Oktober 1999 - zurück zur Startseite

 

Weiter geht’s mit dem inoffiziellen Ibiza-Report, mit der tröstlichen Gewißheit, nie so flach wie die RTL2-Berichterstattung werden zu können.

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Inmitten von Palmen, am steinigen Ufer von Port des Torrent, eine Ansammlung von Hütten, Ständen, einer Bar und einem Restaurant. Auf dem Platz in der Mitte steht eine Statue der indischen Göttin des Tanzes. Was ist das für ein Ort?

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Drei Jahre ist es her, seit der Manager Miguel, ausgestattet mit einer Vision und Freunden, die sie teilten, das Kumharas ins Leben rief. Im ersten Jahr währte das Vergnügen nur ganze 20 Tage. Dann registrierten die Offiziellen von Ibiza, daß dort "nichtgenehmigte Tanzveranstaltungen" stattfinden, ganz umsonst, und somit entgegen der Abzocke der großen Clubs.
Im Sommer darauf öffnete das Kumharas wieder, ohne Tanz, aber die Göttin blieb. Seither gewann es stetig an Ansehen und wurde zum Treffpunkt für Einheimische und Touristen, die den lauten Straßen von San Antonio für einige Zeit entfliehen wollen.

FeuerspuckerHeute Abend hat uns der Klang der Trommeln angelockt. Ein Konzert findet statt, und das Kumharas ist bis zum Bersten gefüllt. Die verrückten Inder dort auf der Bühne ziehen alle Register. Sie tanzen, jonglieren, trommeln auf ihren Tablas, spucken Feuer und verschlucken die brennenden Fackeln. Die Zuschauer sind begeistert. Um zwölf Uhr wird die Musik leiser, ein Kompromiß, der mit den umliegenden Hotels eingegangen wurde. Aber niemand denkt daran zu gehen. Ein paar Besucher spielen auf ihren eigenen Trommeln leise weiter, andere lassen sich die Gesichter bemalen oder stöbern im Second-Hand-Shop. Später unterhalte ich mich mit den Indern, die sich nach dem Konzert unter das Volk gemischt haben. Sie erzählen, daß sie sich zur Zeit auf einer Welttournee befinden. Und einer sagt, dies hier sei mit Abstand der faszinierendste Ort, an dem sie bisher aufgetreten sind. Keine Einwände.

 

... später, im

Was tue ich hier? Es ist voll, es ist laut. Ich habe ein kleines Vermögen an der Tür bezahlt. Der lange Paul legt Trance auf. Ja ja, "Trance – der Sound von Ibiza 1999". Die Engländer amüsieren sich.

Ich überlege, warum die Party "GodsKitchen" heißt. Es gibt hier überhaupt kein Essen, sondern nur völlig überteuerte Getränke (zum Glück kann ich meine Umrechnungstabelle von Peseten in DM hier im Dunkeln nicht entziffern). Vielleicht hat es ja eher etwas mit dem raketentriebwerkgroßen Nebelwerfer zu tun, der über der Tanzfläche hängt. Moment, raketentriebwerkgroßer Nebelwerfer?? photo_amnesia.jpg (24195 Byte)Die Musik setzt aus. Die Tanzfläche wird in grelles Licht getaucht. Plötzlich Tosen, eiskalter Rauch, der mit Orkangeschwindigkeit an naßgeschwitzten T-Shirts vorbeizieht. Sichtweite Null. Vor Vergnügen kreischende Teenager. Ich kann nichts tun als die Arme hochzureißen und mitzujubeln. Dann ist es wieder vorbei, Dunkelheit, und der Bass setzt ein. Das hat gesessen.

Stunden später, nach einem halben Dutzend Nebelinfernos, und mindestens zwei Dutzend göttlicher Trancehymnen, bringt uns der lange Paul noch einmal ganz nach oben. Nach zwei Takten des neuen Liedes wissen alle Bescheid. DJ Misjah & DJ Tim’s "Access" ist bekannt, und wir sind uns einig, daß genau ‚jetzt‘ die Zeit und ‚hier‘ der Ort für diesen Track ist. Die Menge jubelt wieder, durch die zwei Minuten lange Steigerung hindurch, wartet darauf, daß die Düsen am Rand der Tanzfläche zu rauchen beginnen, und das Raketentriebwerk sich wieder senkt. Die 303 zwitschert sich unaufhörlich ihren Weg in unsere Gehirne und bringt selbst meine matten Beine ein letztes Mal in Bewegung. Der Nebelwerfer übertönt sogar den einsetzenden Bass - alle sind zufrieden.

Wieder draußen. Das Laufen fällt schwer, die Ohren singen das Lied, das sie für die nächsten zwei Tage singen werden, und ich habe blaue Flecken an den Rippen. Ach ja, wegen der blauen Flecken: Liebe englische Frauen, ich finde es völlig in Ordnung, wenn Ihr der Meinung seid, Euch in die engsten schulterfreien Tops zwängen zu müssen. Aber bitte, wenn Ihr dann alle zwei Minuten das Bedürfnis habt, Eure Oberweite wieder zurechtrücken zu müssen, paßt doch auf, wem Ihr dabei die Ellenbogen in die Seite stoßt. Danke.

Mehr nächstes Jahr.

(rob)

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Autor: rob, rob@bennoshuette.de Artikel kommentieren Copyright 1999, Bennos Hütte