| www.bennoshuette.de - Bennos Hütte - das E-Zine aus Berlin | Erschienen in: Ausgabe 2, Dezember 1999 - zurück zur Startseite |
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Filmfestival in Cottbus |
(ricarda) |
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Ich bin vom 05.11. bis 07.11.1999 ursprünglich nach Cottbus gefahren, um einen guten Freund zu besuchen. Gleichzeitig hatte ich jedoch eine Sendung von "RADIO 1" im Kopf, die über das 9. Filmfestival des Jungen Osteuropäischen Films berichtete. Neben neuen und schönen Eindrücken vom zukünftigen Wohn-und Studienort des Freundes kam ich so auch in den Genuss, fremd anmutende Bilder zu sehen, andere Sprachen zu hören, mich in ferne Orte und deren dazugehörige Menschen hineinzudenken. |
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Die Geschichte spielt in der Zeit des Zweiten
Weltkrieges in Rumänien und stellt in erster Linie einen schweren Konflikt zwischen
Gendarmen und Rebellen dar: Ion, dessen Vater unter ungeklärten Umständen von Gendarmen
getötet wurde, macht es sich zur Lebensaufgabe, den Mord seines Vaters zu rächen. Er
will die Wahrheit erfahren, die, inzwischen von unzähligen Menschen, die auch immer nur
einen Teil von ihr zu kennen glauben, verschlüsselt in einer qualvollen und unruhigen
Zeit verborgen liegt. Was immer das auch sein mag, im Film gehören zur
ungezügelten Freiheit Geld, Frauen, gutes Essen und viel Wein. Die Möglichkeit, ganz
für sich zu leben, finden sie an einem entlegenen Ort und somit tauchen am Ende des
99-minütigen Spektakels die Sanddünen unvermittelt auf. Die Übersetzerin der folgenden russischen Kurzfilme wie "Das Fass" hingegen verstand es, die Originalsprache mit Leben zu füllen und sie dem Zuschauer sympathisch zu machen. Der Regisseur Tudor Tataru, der im Zeitraum von 1988 bis 1992 diese kleinen Komödien erfand und filmisch darstellte, sprach vorab einige Worte. Er wies darauf hin, dass alle Beteiligten zu der Zeit Studenten oder ähnliches mit wenig Geld waren und dass es in diesem Kontext gesehen werden soll. Er hätte nicht unbedingt darauf hinweisen müssen, denn die Filme überzeugten mit ihrem Charme, dem Humor, den außergewöhnlichen und imaginären Ereignissen und Begebenheiten auch so. Hintergrund aller Filme sind der Krieg im abtrünnigen Transnistrien und die Inflation, die die Anschaffung eines Fasses beispielsweise zu einem absurden Abenteuer um mafiaartige Orgien und allerlei seltsamen Schiebereien werden lässt. Oder aber allein der gute Erden-Wein überzeugt den mächtigen Außerirdischen vom Planeten XS-1, den Untergang der Welt noch ein wenig zu verschieben. Gedankt sei dem gastfreundlichen alten Ehepaar in der Republik Moldau! Am Abschluss der kleinen Werkschau des Anarcho-Autodidakten Tudor Tataru steht dieses "wortlose Chef d´ oeuvre an Trash-Witz, das wider alle Vernunft gegen alte und neue Machtarroganz Sturm läuft, ohne sich um die Regeln hehrer Kunst zu scheren". Nach dieser Kinoschau
ging ich mit dem befriedigenden Gefühl nach Hause, dass ich doch ein wenig Einblick in
osteuropäische Zeiten und Lebensformen gewonnen habe. |
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| Autor: ricarda, Elfe-blau@gmx.de | Artikel kommentieren | Copyright 1999, Bennos Hütte |