www.bennoshuette.de - Bennos Hütte - das E-Zine aus BerlinErschienen in: Ausgabe 2, Dezember 1999 - zurück zur Startseite

 

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Politik ist Pop

(daslars)

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Gerhard Schröder ist unser erster Pop-Kanzler, der erste, der sich wie ein Popstar in den Gazetten ablichten lies, der Kleidung, Lebensstil und Privatleben mit in die Waagschale warf, um den politischen Wechsel (?) herbeiführen zu können. In den USA, auch in dieser Frage ein großes Vorbild, ist spätestens seit Ronald Reagan klar, dass ein Schauspieler im Zweifel diese Rolle am besten erfüllen kann und auch Bill Clinton hat schon mal kräftig ins Saxophon geblasen, um seine Erfolgschancen zu erhöhen.

 

 

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Aber nicht nur, dass sich die Politiker von heute an Popstars orientieren, nein die ganze Politik ist Pop. Sie muss POPulär sein, sie muss sich verkaufen lassen.

Niemand schämt sich zuzugeben, dass der Wahlkampf heute von Marketingexperten gemacht wird. Mit dem selben Mitteln, mit der die 13te Boygroup auf den Markt gebracht wird, wird Politik verkauft. Nicht Inhalte sollen überzeugen, sondern die einfachsten Instinkte angesprochen werden, um den Wähler alle vier Jahre einmal zu "bekommen".

Ware vom Umtausch ausgeschlossen

Wenn sich die Politiker aber auf die Mittel von Marketing und Marktforschung verlassen, ist das Problem: Die Politik gibt die Ideen nicht mehr vor, sie läuft ihnen hinterher.

Es geht nicht mehr darum, ein durchdachtes politisches Konzept zu entwerfen, eine Vision für die Zukunft zu haben, und mit dieser zu überzeugen, diese mit allen Konsequenzen zu verteidigen und damit Mehrheiten zu gewinnen. Nein – es werden oft eher halbherzige Ideen auf den Markt geworfen, die auf Mehrheiten zugeschnitten sind.

Sie klingen dann wie die Songs von den 4 Typen, von den jeder den Traummann für eine bestimmte Zielgruppe verkörpert, die Strophe gerappt, die Refrain zum Mitsingen, ein 70iger Jahre Gitarrenriff gesampelt und in den Hintergrund gemixt und ein Drum&Bass Beat untergelegt. Aber nichts klingt echt oder ehrlich.

Wie geschäftige Promoter versuchen Politiker dann, dieses Produkt an den Mann zu bringen. Marktschreierisch werden Hoffnungen und Sehnsüchte geweckt, Unzulänglichkeiten, negative Konsequenzen und bittere Wahrheiten bewusst verschwiegen.

Dabei haben Politiker heute kein Problem mehr damit, auch das Gegenteil ihrer bisherigen Meinung zu verkünden, aber sie begründen es immer noch mit den gleichen Argumenten oder sie behaupten immer noch das gleiche, nutzen aber die gegenteiligen Argumente. In ähnlichen politischen Situationen oder Konflikten nehmen Politiker komplett andere Haltungen ein.

War dieser Wandel früher eher ein Prozess von Jahren, passiert das heute innerhalb von Tagen. Selbst der oberflächlichste Konsument muss das mittlerweile wahrnehmen können.

In diese Art der Politik kann der Bürger nur das Vertrauen verlieren und ist zu recht enttäuscht. Er sehnt sich NICHT nach mehr POPularität, nach mehr einfacher und oberflächlicher Konsumierbarkeit, mehr leidenschaftslosen zielgruppenorientierten Unehrlichkeiten, sondern nach Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und Konstanz.

Auf die sich einstellende Politikverdrossenheit aber versuchen die Politiker zu reagieren, in dem sie die Politik noch POPulärer machen, weil sie vermuten, der Wähler hätte sie nur nicht verstanden.

Die sich so ergebenden politischen Statements sind genauso inhaltsschwer, wie ein Text von DJ Bobo:

I don’t know what I don’t know
I see the colours of the rainbow
Respect is the name of the game
Respect and you never miss your name.

 

 

 

 

Autor: daslars, daslars@bennoshuette.deArtikel kommentierenCopyright 1999, Bennos Hütte