www.bennoshuette.de - Bennos Hütte - das E-Zine aus BerlinErschienen in: Ausgabe 2, Dezember 1999 - zurück zur Startseite

 

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Schwäbinger Geschichten

(mat)

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1.

kein Bett, kein Herd und ein Dach überm Kopf

Die Schwarzmaler unter meinen Freunden haben mich gewarnt, andere sprachen mir gut zu, beneideten mich gar - Schwäbingen klang es verheissungsvoll auch in ihren Ohren. Ich selbst gefiel mir als Ausreisser, der schwungvoll einen Schlussstrich zieht und hinter sich lassen kann, was ihm über Jahre ans Herz gewachsen ist. Du Narr! Sorgen brauchen sich die Hinterbliebenen jedoch nicht - Schwäbingen ist im Gegensatz zu den gefürchteten Grossstädten kein Ort für vereinsamte und suizidgefährdete Zeitgenossen. Hier darf gelacht werden; wer das nicht kann, lernt es im Kreise froehlicher Begleiter schnell dazu. Irgendwann macht aber auch die geschäftigste Kneipe dicht und damit wird die Lage für alle Neuankömmlinge bierernst. Schwäbingen - dafür hasse ich dich schon jetzt.

Nichtsahnend langt der geneigte Studiosus in diesem idyllischen Städtchen an; doch mit der Suche nach einer Bleibe beginnt eine Odyssee, die er so schnell nicht vergessen wird. Immerhin: inzwischen kenne ich hier alles schon sehr genau, bin bei der Hälfte der Schwäbinger ein- und ausgegangen, kann den aktüllen Mietspiegel auswendig daherleiern - nur ein Zimmer, ein Zimmer? Nein, also da hätten sie... Kaum zu glauben, dass die Zeiten grosser Engpässe dabei schon längst vorbei sind - eine Schwäbinger Legende weiss zu berichten, dass sich damals an die 30 Leute in der wirklich kleinen Zimmervermittlung drängelten und mit Spannung erwarteten, wer denn heute eine von den drei Adressen bekäme (fairer Weise brauchte keiner schon nachts um Zwei vor der Tür stehen, sondern es wurde ganz einfach gewürfelt. Heute ist das schon einfacher: gleich früh am Morgen studiere ich die Anzeigenblätter und Aushänge, tagsüber radle ich qür durch den Ort und schaü mir dieses und jenes Zimmerchen an, abends sitze ich in irgendeiner WG - gemeinsam mit 15 anderen Bewerbern - und hoffe auf die Gunst der Bewohner, die in den nächsten Tagen ihren Wunschkandidaten erwählen werden (Bitte, Bitte!). Nicht wenige WGs liegen übrigens am Ortsrand: ich bekomme dann immer einen gewaltigen Schreck, wenn ich die Adresse auf dem
Stadtplan ssuche - das ist ja ewig weit vom Zentrum entfernt! Kaum bin ich aber zehn Minuten geradelt, umgeben mich grüne Aün und gesund aussehende Kühe bloeken mich friedlich an. Achtsam wende ich dann mein Gefährt und habe bald die richtige Strasse gefunden...
Für Neuankoemmlinge, die für die Zimmersuche mobil sein müssen, hat der Drahtesel auch noch einen zweiten Vorteil. Wenn ich gerade nicht weiss, wo es ins Stadtinnere geht, setze ich mich ganz einfach aufs Fahrrad und rolle los - der Rest findet sich (wenn eine der vielen Ampeln hier nicht gerade auf Rot steht, gelange ich so mühelos ins Zentrum).

Schwäbingens altehrwürdiger Stadtkern selbst hat es jedoch in sich. Verwinkelte Gassen, steile Treppen und sparsam angebrachte Strassenschilder verwirren sogar den versierten Globetrotter, der sich im Grossstadtjungel der europäischen Metropolen erfolgreich zurechtgefunden hat. Dem frisch in Schwäbingen eingetroffenen Studiosus werden auch keine hoeflich an seine Mitmenschen gerichteten Fragen (Wo geht's denn hier raus?) helfen. Diese entpuppen sich nämlich zumeist als ebenso hilflos in diesem Wirrwarr treibende Touristen (Moment, ich schau nur mal kurz auf meinen Stadtplan...). Der echte Schwäbinger ist freilich gern auskunftsbereit, eine Hilfe sind seine ausufernden Wegbeschreibungen jedoch nur selten (also da gehet Sies die zweite Gassen links, dann kurz gradaus, dann beim Schuster-Hannes rechts die Treppen nauf, aber nie bis ganz obe, sondern schräg hinters Geigerle tun Sie in die Teichgassen einbiegen etc. etc.).

Also: Ade bis demnäscht!

   

 

 

 

Autor: mat, mat@bennoshuette.deArtikel kommentierenCopyright 1999, Bennos Hütte