| www.bennoshuette.de - Bennos Hütte - das E-Zine aus Berlin | Erschienen in: Ausgabe 3, Februar 2000 - zurück zur Startseite |
Electric Rodeo in der Maria am Ostbahnhof. Das versammelte Clubpublikum feiert zu einer kruden Mischung aus Country und elektronischen Breakbeats. Entgegen dem sonst üblichen Berliner Stilpurismus und durchaus gut entertained. Die Bricolage der Postmoderne schlägt zu. Und trifft.
Electric Rodeo @ Maria Natascha, Mitorganisatorin der legendären Parties mit dem Hirsch, geht mit Electric Rodeo neue Wege. Sie hat einen Ruf zu verteidigen, denn die Hirschbar war schon immer für eine Überraschung gut. Und war dabei nicht immer so öffentlich wie Electric Rodeo heute abend. Lange Zeit kam man nur mit Clubkarte oder in Begleitung einer Person mit Clubkarte rein. Die Partyorte wurden nicht öffentlich bekanntgegeben oder waren total verlassen wie in einer kalten Winternacht vor den Toren des Güterbahnhofs Warschauer Straße, jaja, ich kann mich noch sehr genau erinnern. Doch wenn man drinnen war, konnte man sicher sein, etwas geboten zu bekommen. Goa und Trance waren tonangebend, in Berlin eher selten zu hören, aber auf exzellentem Niveau. Das Besondere aber war und ist die liebevolle Ausgestaltung der Partyorte. Mein Highlight bleibt ein Abend 1998 im Pfefferberg "subground", für einige Zeit festes Quartier der Hirschbar. In ein Tarnnetz über der Tanzfläche waren Unmengen von Margeriten gesteckt, so daß man unter einem Himmel aus Blüten tanzte. Da blieb es nicht aus, daß irgendwann jeder Partygast mit mindestens einer Blume im Knopfloch oder im Haar herumlief. Schön und selten. Zurück zum heutigen Abend. Entgegen aller Trends nach mehr Trance und mehr Filter-House spielen auf dem "ground floor" hüft-hippelnde Breakbeats und Electro mit den DJs Spit, Tosh und Exposito. Dazwischen immer mal ein von der Masse recht gleichmütig ertragener Western-Song, inklusive Fidel-Solo und eingehakt umherspringenden Mädchen auf der Tanzfläche. Deutlicher wird das Motto des Abends oben in der "country-lounge", wo zwei waschechte Westernbands zum Videogeflacker schwarzweißer "Woody"-Cartoons auftreten. Die Gäste amüsieren sich gut, besonders bei Band Nummer zwei, deren einer Gitarrist anscheinend den Afterparty-Drink mal eben um eine Stunde vorgezogen hat und nun keinen vernünftigen Ton mehr herausbringt (jetzt kommt der Gag: die Band heißt "Drug Free Poets"). Es ist kein gewöhnlicher Abend. Doch wenn man einen Schritt zurücktritt von seinen üblichen Ausgehgewohnheiten, funktioniert es. Dann spürt man die entspannte Atmosphäre und nimmt die freundliche und überaus reizende Bedienung an der Bar wahr. Die DJs verstehen ihr Handwerk, der Klang ist tief und gut. Die einzige Konstante ist die Veränderung. In der eher traditionsverbundenen Berliner Clublandschaft braucht man hier immer noch keine Sorge haben, die schlechte Kopie eines einst erfolgreichen Abends präsentiert zu bekommen. F: Das bleibt doch so, oder? A: ... ... das Interview mit Natascha, Organisatorin von Electric Rodeo, folgt in der nächsten Ausgabe! Ausblick: Am 4. März 2000 gibt es wieder "Electric Rodeo" in der Maria am Ostbahnhof in Berlin. Logo © Hirschbar |
| Autor: rob, rob@bennoshuette.de | Artikel kommentieren | Copyright 2000, Bennos Hütte |