www.bennoshuette.de - Bennos Hütte - das E-Zine aus BerlinErschienen in: Ausgabe 4, Mai 2000 - zurück zur Startseite

 

Eine Reise in die Zeit der Mönche (zugesandt von Svante, Berlin)

 

Es ist früh, sehr früh. Trotzdem senden die ersten Sonnenstrahlen ihr sanftes Licht durch die spitzbogigen Fenster des Dormitoriums. Das Dormitorium ist der Schlafraum der Mönche. Wenige Sekunden später läuten die Glocken. Noch im selben Moment machen sich die ersten Mönche auf, in die Kirche hinabzusteigen. Sie möchten den Prim, die Frühmesse, abhalten. Ein dumpfes Knarren erfüllt den Kirchenraum, als der erste Mönch die Tür zu der Basilika öffnet. Er ist weißgewandet und mit schwarzer Kopfbedeckung. Draußen auf den Bäumen und den Dachgiebeln der Klostergebäude stimmen die ersten Vögel ihre fröhliche Morgenmelodie ein. Sie wurden ebenfalls durch das Geläut der Glocken geweckt. Der Kirchenraum ist schlicht und zweigeteilt, so wie es die Benediktregel vorschreibt. Ein Lettner grenzt die Laienbrüder von den Chormönchen ab. Die Laienmönche sind nur für die körperlichen Arbeiten im Kloster zuständig, während die Chormönche sich ausschließlich um die spirituellen Dinge des Klosters kümmern. Nachdem die Glocken verstummt sind und sich alle Mönche in der Kirche versammelt haben, beginnt der Abt mit der Liturgie. Tiefe, dunkle und monotone Töne schwingen durch den Raum. Die Mönche sind tief in ihre Morgengebete versunken. Nach einer kurzen Weile endet die Zeremonie. Im Anschluß an diese schon zweite Messe des Tages beginnt die Verteilung der Tagesarbeit. Da es langsam auf den Herbst zugeht, werden die Laienbrüder auf die klostereigenen Felder geschickt, um die Ernte einzuholen. Zuvor teilt der Abt noch mit, daß er für einige Zeit das Kloster verlassen wird, um an dem Generalkapitel der Zisterzienseräbte, dem Kontrollgremium des gesamten Ordens, teilzunehmen. Damit die Klosterordnung auch während seiner Abwesenheit gewahrt wird, überträgt er sämtliche Befugnisse auf den Prior. Der Prior stellt den dem Rang nach zweithöchsten Mönch des Klosters dar. Die Chormönche werden, wie jeden Tag, im Dreistundenrhythmus beten und singen. Nur die Mittagsmesse Sext und die Abendmesse Vesper werden die Laienbrüder und Chormönche gemeinsam abhalten, da sie im Anschluß an die Messen gemeinsam im Refektorium essen werden. Zwischen Messe und Mahlzeit jedoch findet noch eine rituelle Waschung am Brunnen statt.

Die Sonne gleitet langsam und unbemerkt am Tageshimmel entlang. Der Wind raschelt durch die Bäume, die neben dem Kloster stehen. Zum letzten mal an diesem Tag läuten die Glocken. Sie sollen die letzten Mönche, die noch auf den Feldern sind, zum Komplet, der letzten Messe vor der Nachtruhe, herbeiläuten. Langsam verschwinden die letzten Sonnenstrahlen. Der Himmel ist nun in die wärmsten, abendlich orangen Farbtöne getaucht. Das gotische Rosettenfenster gibt in diesem Licht eine wahrhaft mystische Silhouette ab. Die letzten Töne der Mönche verstummen. Die Nachtruhe bricht an.

So kann ein Tag im Leben der Zisterziensermönche im Kloster Chorin ausgesehen haben. Ein Tagesausflug dorthin lohnt auf jeden Fall. Überall findet man Spuren ihres Schaffens. In alten Backsteinen haben sie ihre Hand- und Fingerabdrücke hinterlassen. Fresken, Scherben, Fundstücke und nicht zuletzt die Bilder an den Wandkonsolen erzählen von ihrem schweren Leben und ihrer Liebe zu Gott. Interessante Entdeckungen sind auch an den Gebäuden zu machen. So wurde die Klosterkirche in zwei Bauabschnitten mit einer mehrjährigen Pause erbaut. Sie ist an einer Baunaht mit unterschiedlichen Steinen zu erkennen. Des weiteren ist auch ein Bogen des Kreuzganges statt im gotischen, im romanischen Stil gebaut. Auf alle Fälle lohnt es sich, die Klosterbesichtigung mit einem schönen Picknick am nahegelegenen See zu beenden. Auch der Besuch eines Konzertes in der Klosterkirche kann ein Höhepunkt sein.

Kloster Chorin Front
Kloster Chorin Kreuzgang
Kloster Chorin Konsole mit Tieren und Pflanzen

 
Svante-Alexander Pieper

Bild oben: Frontansicht von Kloster Chorin
Bild mitte: Kreuzgang
Bild unten: Konsole mit Tieren und Pflanzen

 

Autor: svante, svapi@arcormail.deArtikel kommentierenCopyright 2000, Bennos Hütte