| www.bennoshuette.de - Bennos Hütte - das E-Zine aus Berlin | Erschienen in: Ausgabe 4, Mai 2000 - zurück zur Startseite |
Schrottfisch - das etwas
andere Interview
Hat sich eigentlich schon mal jemand gefragt, warum wir die Fragen, die von
den SRF-Starreportern gestellt werden, fett drucken? Richtig! Weil sie so unheimlich
kreativ und wichtig sind! Einer dieser ganz ganz wichtigen Menschen die diese
ganz ganz wichtigen Fragen stellen, hatte sich am 21.12.99, dem Tag mit der
kürzesten Sonnenscheindauer aufgemacht, um eine beliebte Band namens Schrottfisch
zu interviewen.
Stimme aus dem OFF: Können wir?
SRF: Ja - ähhh - klar.
Stimme aus dem OFF: Na dann: los geht's!
SRF: Wer spielt denn nun was?
Ralph: Na los Ilja, du bist der Kopf der Band, viel gerühmt...
Ilja: ...ja...
Ralph: ...bekannt...
Ilja: ...ja...
Ralph: ...aus Film, Funk und Fernsehen...
Ilja: ...ja...
SRF: ...Meine Freundin findet dich ganz toll...
Ilja: ...ja? Wie heißt sie denn? Erzähl mal!
Ralph: Hast du ein Foto dabei?
SRF: Die kommt nachher bestimmt noch vorbei.
Ilja: Scheiße, wir fahren dann in den Proberaum. Weil ich zur arbeitenden Bevölkerung
gehöre und nur am Wochenende in Berlin bin... (Pause)
SRF: Ähhh... Besetzung?
Ilja: Na wir sind...
Ralph: ...du musst jetzt reden, du musst jetzt reden...
Ilja: Nö. (längere Pause)
Ilja: Na wir sind ein Sänger, ich spiel' Gitarre noch. Das hier ist Steffen
"Maggi" Magirius, der spielt den Bass...
Ralph: ...Schaut mal rüber, jeder kann ihn sehen...
Ilja: ...das da drüben ist der Mann mit dem Motoradhelm, unser Schlagzeuger...
Ralph: ...Ralph...
Ilja: ...Und dann haben wir seit einem Vierteljahr einen neuen Gitarristen,
also wir waren eine ganze Zeit lang zu dritt und jetzt ist René noch dabei.
SRF: Wann habt ihr euch gegründet? Wie? Warum?
Ilja: Im Frühjahr '96. Wir haben das gerade für das Bandinfo recherchiert: als
Liedermacherformation so. Zuerst ich mit Felix, einem Freund von mir, der hat
irgendwann Maggi angeschleppt und dann haben wir uns zu dritt als Liedermachercombo
durchgeschlagen. Irgendwann kam noch ein Schlagzeuger dazu und dann war Schrottfisch
komplett. Wir hatten zwischendurch eine ganze Menge Umbesetzungen, die Schlagzeugerformation
hat mehrfach gewechselt.
SRF: Wie seid ihr an Ralph gekommen?
Ilja: Wir haben einen sehr hohen Verschleiß und...
Ralph: Nö so nich'. Die haben mal als Vorband von uns gespielt, wahrscheinlich
war das im Mai '96. Die waren immer irgendwie Vorband von uns. Und wir haben
uns dann aufgelöst, aber der Kontakt bestand noch und so bin ich dazugekommen.
Ich hatte mich da angeboten, denn eigentlich wollte ich schon immer so eine
Musik...na eigentlich wollte ich sie nicht machen. Ich fand' es immer ganz neckisch,
wie die Herren da auf der Bühne saßen und ihr bisschen Musik vorgetragen haben.
Ilja: Das Problem war, bei uns gab's die schöneren Mädchen.
Ralph: Uns hat keiner zugehört.
Ilja: Ich habe mich dann verworfen, mit unserem ersten Schlagzeuger. Dann hatten
wir einen, der war ziemlich alt, der hatte Alkoholprobleme.
Ralph: Darüber erzählt man nicht.
Ilja: Doch, doch, muss man schon...Das war schwierig. Wie bringst du jemanden
bei, dass er nicht zuverlässig ist? Irgendwann war er dann weg.
Ralph: Ich habe mich dann als Schlagzeuger angeboten, weil sie einen gesucht
haben. Naja gefunden haben sie den nicht...Rough Age hieß übrigens meine erste
Band, wird dir bestimmt was sagen.
SRF: Stimmt, hier im Café hängen sogar noch ein paar Plakate von euch
herum.
Ilja: René ist auch von Rough Age und das funktioniert ganz gut. Es ist gitarrenlastiger
geworden, kompakter.
Ralph: Und es wird auch gesagt, dass wir im Gegensatz zu der Dreierkombination,
die davor war - die zwar auch ziemlich gut war, besonders bei Auftritten im
Regen -, rockiger geworden sind.
SRF: Ich finde es fast schon zu nett, was ihr macht.
Ilja: Es soll auf keinen Fall in eine harte Rockschublade gesteckt werden.
SRF: Es war ein bisschen Schade, dass die Leute bei eurem Konzert im
Café nur dasaßen. Ich finde, dass ihr es geschaftt habt eine Athmosphäre zu
erzeugen, was ich nicht zu oft erlebe. Und komischerweise finde ich eure Musik
tanzbar. (Gelächter)
Ilja: Ich würde mir das wünschen, aber es kommt selten vor bei Konzerten. Wenn,
dann musst du die Leute annimieren: Hier Leute, traut euch mal. Die meisten
kommmen doch nur, um zuzuhören.
Ralph: Ich hoffe, dass ändert sich endlich mal, damit wir zahlendes Publikum
haben, was unsere Platten kauft und uns in der Disko hören möchte.
Ilja: Es ist ein Mischmasch, auf keinen Fall eine Partytanzmusik. Tanzbare Elemente
sind auf jeden Fall drin. Es ist schwer, weil wir uns auch nicht sagen, wir
wollen jetzt Tanzmusik machen. Mir als Songwriter ist da die Message schon wichtiger.
(längeres Gelächter) Warum lacht ihr da?
Ralph (immer noch lachend): Message, Message ist gut...
Ilja (stocksauer): Also das ist quasi so bei Schrottfisch: Ich schufte und werde
dafür von allen Kollegen verlacht.
SRF: Ich kenne das vom Fanzine. ich bin da auch der einzige, der arbeitet
und die anderen lachen über mich. (Es folgt eine brüderliche, herzliche und
-ergreifende Umarmung)
Ilja: Die Visionäre sind immer auf sich gestellt.
Ralph: Ich stelle den Proberaum.
Ilja: Es ist schwierig zur Zeit mit Proben, weil ich in Leipzig wohne und studiere...
SRF: Was?
Ilja: ...Schauspiel. ich komme nur einmal in der Woch runter. Und dann ist es
so ein Aufraffen am Sonntagabend 5 oder 6 Stunden zu proben. In den Ferien machen
wir dann mal eine ganze Woche hintereinander und da entstehen dann auch neue
Songs.
Ralph: Wobei wir eigentlich professionell genug sind, dass wir nicht mehr zu
üben brauchen (Gelächter).
SRF: Was macht der Rest von euch so?
Ralph: Ich und René stehen in irgendwelchen Berufen. Ich habe Maschinenbau (FH)
studiert.
SRF: Was heißt denn FH?
Ralph: Fachhochschule.
Ilja: Ralph hatte sogar ein Angebot von Sonor, dass er dort in der Schlagzeugentwicklung
arbeiten sollte. Aber er hat sich gegen Sonor und für Schrottfisch entschieden.
SRF: Ihr seid schon ganz schön alt...
Ilja: Eigentlich geht es jetzt wieder.
Ralph: Ich und René sind 28, Ilja ist jünger, Maggi ist...
Maggi: 23.
René: Ich bin 27.
Ralph: Stimmt, ich bin ja auch erst 27.
Ilja: Das ist das Problem, wenn du aus diesem Jugendklubalter heraus bist. Du
kannst nicht mehr auf Schulfesten oder bei Nachwuchswettbewerben spielen.
SRF: Wie seid ihr zu dem Namen Schrottfisch gekommen?
Ilja: Um ehrlich zu sein: Ich weiß es nicht mehr. Ist im nachhinein sicherlich
nicht der günstigste Name, weil damit eher was lautes, punkiges assoziiert wird.
Viele sagen, er passt nicht zur Musik.
SRF: Ich fand es schön, als ihr beim Konzert den Fehlfarben Song gespielt
habt. Da habe ich mir gedacht: Mensch, endlich mal eine Band, die Ahnung von
Musik hat.
Ralph: Also Ick kann dir sagen, ich bin jetzt seit 10 Jahren im Geschäft...
SRF: Nennt doch mal ein paar Einflüsse.
Ralph: Na so alles mögliche: Rock, Pop, Jazz, HipHop...
SRF: Ilja hat ein Tocotronic T-Shirt an.
Ilja: Ach nee hör auf, die Zeiten sind lange vorbei. Das war nur bei den ersten
beiden Platten. Dann haben die das so an die große Glocke gehängt und jetzt
macht das keinen Spaß mehr.
SRF: Warst du beim ersten Loft-Konzert?
Ilja: Ja, und beim Volksbühne-Konzert, da sind wir noch durchs Klo eingestiegen,
weil es keine Karten mehr gab.
SRF: Mein Bruder hat bei dem Konzert neben Kuttner ins Klo gepinkelt.
Ilja: Wir sind da zum Soundcheck rein und haben dann zum Einlass gesagt, wir
gehören zur Band. Das war kurz vor der dritten Platte. Ab da wurde es riesig,
auf einmal hat die jeder gehört: Eine Riesenmaschine. Ist sicherlich noch immer
eine klasse Band, aber irgendwie hab ich da Berührungsängste.
SRF: Und sonst gar nichts weiter?
Ilja: Mein Handycap ist, dass ich unheimlich schlecht Englisch spreche und weil
mir Texte wichtig sind, bleibe ich in der Deutschliederschiene hängen.
Ralph: So lange es nicht die Sterne oder Echt ist.
SRF: Was hast du gegen die Sterne?
Ralph: Bei der neuen Single kommt's mir jedesmal hoch.
SRF: Ja "Big in Berlin" mag ich auch nicht so, aber die Platte
und die Konzerte sind doch toll.
Ralph: Na es muss auch solche Leute geben, die sowas hören.
SRF: Danke. (Bricht in Tränen aus)
Maggi: Led Zeppelin, Deep Purple.
(Im schwer erkennbaren Hintergrund erscheint irgendjemand und grüßt.)
Ralph: Das war Jule!
SRF: Nee, das war Arne. Wie funktioniert das Songwriting bei euch?
Ilja: Also ich schreibe die Texte, mache eine Art Grundkomposition, schlage
das der Band vor und dann wird arrangiert.
SRF: Eines meiner Lieblingsthemen, sind interne Querelen, Bandschlägereien
und so...
Ilja: Au ja: Ralph fühlt sich auf Konzerten unterbelichtet. Er wird als zu alt
eingeschätzt und fühlt sich nicht wichtig genug. Wir haben uns vorgenommen,
im nächsten Jahr dafür zu sorgen, dass er groß herauskommt.
Ralph: Ich muss sagen, Ilja hat eine richtig intelligente Freundin. Die kam
wirklich mal nach einem Auftritt und hat gesagt, was du da gemacht hast Ralph,
dass fand ich toll, aber Ilja hat nicht auf dich reagiert.
...und so endete eines der denkwürdigsten Interviews, ein bisschen plötzlich,
aber so ist sie eben, die Wirklichkeit.
Stimme aus dem OFF: Was faselt der da?
Schrottfisch ist Ende Januar auf FAB zu sehen.
Email: schrottfisch@gmx.de
Fon: Steffen "Maggi" 52 69 68 60
Bert Melken
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