www.bennoshuette.de - Bennos Hütte - das E-Zine aus BerlinErschienen in: Ausgabe 5, Juli 2000 - zurück zur Startseite

 

 
Ein Hilfstransport nach Weißrussland (zugesandt von Tobias, Berlin)

In den letzten Apriltagen brachte die Ev. Kirchengemeinde Neuhardenberg einen humanitären Hilfstransport nach Grodno in Weißrussland. Mit zwei Kleinbussen transportierten der Neuhardenberger Pfarrer Ralf Haska, ein Gemeindeglied, ein Schwager des Pfarrers und der Autor dieser Zeilen Kleidung, Medikamente und medizinisches Gerät in die nahe der polnisch-weißrussischen Grenze gelegene Stadt. Empfänger des Transportes war die Caritas-Sozialstation in Grodno. Sie hat als eine von wenigen Organisationen in Weißrußland die staatlichen Genehmigungen, solche Hilfstransporte ins Land zu holen.

Gebraucht wird diese Hilfe dringend, denn viele Menschen können sich bei ihrem geringen Einkommen zum Beispiel bestimmte Medikamente, die es nur als Importe gibt, nicht leisten. Um hier Abhilfe zu schaffen, betreibt die Caritas mit den Medikamenten, die sie durch Hilfstransporte erhält, eine Apotheke. In dieser kann dann jeder gegen Vorlage seines Ausweises und eines Rezeptes kostenlos sein Medikament bekommen, soweit es vorrätig ist.

Von den bürokratischen Schwierigkeiten, mit denen die Caritas in Weißrussland zu kämpfen hat, bekamen auch wir bei unserem Transport einiges mit. Die Grenze war nach “kurzen” 2 1/2 Stunden und viel Papierkram mit Ladelisten und offiziellen Dokumenten recht problemlos passiert. Das eigentliche Problem stellte dann die “Entzollung” der Hilfsgüter dar: Der Zoll in Grodno muss sein offizielles Einverständnis geben, dass mit den Gütern alles in Ordnung ist. Dafür ist aber ein offizielles Papier aus der Präsidialverwaltung in Minsk nötig, die die Kontrolle über alle ins Land kommende Hilfsgüter behalten möchte.

Während dieser ca. 2 Wochen, die die Bearbeitung beansprucht, liegen die Hilfsgüter in einem Zwischenlager unter Verschluss. Immerhin kann die Caritas dafür eigene Räume verwenden. Damit ist sichergestellt, dass nicht schon ein Teil der Lieferung während dieser Zeit “abhanden” kommt. Zur Zeit unseres Transportes, kurz nach Ostern, hatte die Caritas gerade einige Hilfstransporte empfangen, das Lager war schon randvoll, und so wartete man sehnsüchtig auf den Bescheid aus Minsk.


Die Kirche in GrodnoDer Kontakt nach Grodno geht auf den Neuhardenberger Pfarrer Haska zurück. Er hat ein halbes Jahr seiner Vikariatsausbildung in Grodno verbracht. So wurde natürlich die jetzige Gelegenheit genutzt, alte Kontakte aufzufrischen. Die drei Mitfahrer, die zum ersten Mal in Grodno waren, lernten die Gemeinde überhaupt erst kennen.

Seit einigen Jahren ist die Gemeinde wieder Eigentümerin des Kirchengebäudes, das zu Sowjetzeiten als Möbellager genutzt wurde. Mit ein wenig finanzieller Unterstützung aus Deutschland versucht die Gemeinde nun vorwiegend in Eigenarbeit, das doch arg mitgenommene Gebäude wieder zu renovieren. Gegenwärtig ist eine Dachdeckerfirma damit beschäftigt, das Dach abzudichten.

Am Sonntagvormittag war noch Gelegenheit, gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Die Gemeinde hat aus Deutschland einen Satz alter Gesangbücher bekommen, außerdem gibt es Liturgieblätter in russischer und deutscher Sprache. So wird im Gottesdienst zwischen den Sprachen gewechselt, und wenn nötig, spontan übersetzt. So kann jeder am Gottesdienst in seiner Sprache teilnehmen und Pfingsten auch schon kurz nach Ostern erleben.

 

Autor: tobias, benno@bennoshuette.deArtikel kommentierenCopyright 2000, Bennos Hütte