Veränderungen in der Neuen Mitte (zugesandt von Aleks, Berlin)
Berlin-Mitte,
1987, der Magistrat der Stadt Berlin (Ost), beschließt zum 750 jährigen Jubiläum der
Stadt, das Bild der Mitte völlig umzugestalten. Moderne Wohnungen , errichtet in
Plattenbauweise, sollen dem vom Manchester Kapitalismus geprägten Bild des Zentrums ein
neues menschenwürdiges Antlitz verleihen. Dunkele Hinterhöfe sollen Lich durchfluteten
Siedlungen für Arbeiter wie Funktionäre gleichermaßen weichen, der Welt zeigend, daß
der Arbeiter und Bauern Staat menschlicher ist , als jede imperialistische
Gesellschaftsform, mit ihren von Renditedenken geprägten Wohnungsbauprogrammen.
1989, die Wende. Die DDR bricht zusammen, dank Einigungvertrag verbleiben die mit
Rückübertragungsansprüchen belasteten Grundstücke, bis zur Vollständigen Klärung der
Eigentumsfrage bei den gerade erst in Kapitalgesellschaften umgewandelten ehemaligen
Kommunalen Wohnungsbaugesellschaften. Durch diese Umstrukturierung, die Nachlässigkeit
der mit Selbstorganisation beschäftigten Behörden und der niedrigen Mieten kommen die
Jungen Kulturschaffenden und führen die Immobilien zweckwidrigen Nutzungen als Clubs,
Bars usw. zu.
Auf der Suche nach immer ausgefalleneren
Locations und Partyorten (Tresor --- Tresorraum des ehemaligen, im Krieg vollkommen
zerstörten Wertheim Kaufhauses, Sexiland, ehemlige öffentliche Bedürfnisanstalt unter
dem Rosenthaler Platz, WMF, gleichnamig Besteckfabrik, Johannishof ....) werden immer
wieder neue Räume des öffentlichen Lebens besetzt. Industriebrachen, heruntergekommene
Gewerbehöfe ohne Heizung verwandeln sich so zusehend in ansprechende Oasen der
Spasskultur und Erlebnisgastronomie.
Mit der Kultur kommt die neue Wirtschaft, junge Leute die in New Media-Bereichen und
anderen Kreativ-Berufen mit flexiblen Arbeitszeiten arbeiten strömen nach Mitte, genauso
Ältere aus konservativeren Berufen, die von dem neuen Hype angesprochen werden.
Mit Ihnen kommt auch das Kanzleramt und die Immobilienfirmen, die zu utopischen Preisen
Grundstücke erwerben, um diese der "Verwertung zuzuführen" und der New eConomy
alle Annehmlichkeiten zu entsprechenden Preisen bereiten wollen. Die Quartiere 205-207
entstehen, ebenso die neuen Höfe und das Dussmann Haus, der Bahnhof Friedrichstrasse wird
saniert und ebenfalls zu einem Multifunktionalen Center umgewandelt. Der kleine Park am
Bahnhof wird über Nacht zur Baugrube und soll in wenigen Monaten in einem Geschäftshaus
vielen Firmen als Bürohaus dienen.
Die Haushaltsexperten bei der Senatsverwaltung
reiben sich wegen der Erträge aus der Veräußerung von landeseigenen Grundstücken die
Hände. Von Gier getrieben, nimmt der Streit um die Verwertung der Mitte zu. Die
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung will dem Bezirksamt die Planungshoheit für das
Grundstück des ehemaligen Nobelhotels "Unter den Linden" und dem davorliegenden
Platz entziehen. Die Gründe: Das BA Mitte erstellt einen Entwurf für einen
Beabauungsplan (reguliert die Art und das Maß der möglichen Bebauung) indem auf dem
Grundstück ein Geschäftshaus und ein öffentlicher Platz vorgesehen ist. Die
Senatsverwaltung dagegen beabsichtigt, die Blockbebauung der unteren Friedrichstrasse auch
auf dem Platz durchzusetzen und der Strasse ihre ursprüngliche Form wiederzugeben, auch
mit dem Wissen, dass die jetzt schon recht häßliche Friedrichstrasse dann zu einer
Betonschlucht verkommt.
Anders betrachtet bringt die Bebauung des
Platzes, um die sich zwei Grundstücksverwertungesgesellschaften schon beworben haben
(sollen), noch ein paar zusätzliche Millionen in die Kassen der Senatsverwaltung, die
sicherlich in ein paar andere umstrittene Großprojekte, wie der Kanzlerbahn Verwendung
finden können. Zudem werden Arbeitsplätze geschaffen und Parteifreunde mit Baufirmen
oder befreundete Berater mit Aufträgen versorgt. Für die Berliner jedoch wird ein
wichtiger Platz zubetoniert, das durchaus auch historischer Bedeutung genießende Hotel
"Unter den Linden" abgerissen und die jetzt schon gesichtslose Friedrichstasse
noch mehr vereinheitlicht und geschliffen.
Hoch lebe die Berliner Politik
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