www.bennoshuette.de - Bennos Hütte - das E-Zine aus BerlinErschienen in: Ausgabe 6, September 2000 - zurück zur Startseite

 

 
Veränderungen in der Neuen Mitte 
(zugesandt von Aleks, Berlin)

Berlin-Mitte, 1987, der Magistrat der Stadt Berlin (Ost), beschließt zum 750 jährigen Jubiläum der Stadt, das Bild der Mitte völlig umzugestalten. Moderne Wohnungen , errichtet in Plattenbauweise, sollen dem vom Manchester Kapitalismus geprägten Bild des Zentrums ein neues menschenwürdiges Antlitz verleihen. Dunkele Hinterhöfe sollen Lich durchfluteten Siedlungen für Arbeiter wie Funktionäre gleichermaßen weichen, der Welt zeigend, daß der Arbeiter und Bauern Staat menschlicher ist , als jede imperialistische Gesellschaftsform, mit ihren von Renditedenken geprägten Wohnungsbauprogrammen.

1989, die Wende. Die DDR bricht zusammen, dank Einigungvertrag verbleiben die mit Rückübertragungsansprüchen belasteten Grundstücke, bis zur Vollständigen Klärung der Eigentumsfrage bei den gerade erst in Kapitalgesellschaften umgewandelten ehemaligen Kommunalen Wohnungsbaugesellschaften. Durch diese Umstrukturierung, die Nachlässigkeit der mit Selbstorganisation beschäftigten Behörden und der niedrigen Mieten kommen die Jungen Kulturschaffenden und führen die Immobilien zweckwidrigen Nutzungen als Clubs, Bars usw. zu.

Auf der Suche nach immer ausgefalleneren Locations und Partyorten (Tresor --- Tresorraum des ehemaligen, im Krieg vollkommen zerstörten Wertheim Kaufhauses, Sexiland, ehemlige öffentliche Bedürfnisanstalt unter dem Rosenthaler Platz, WMF, gleichnamig Besteckfabrik, Johannishof ....) werden immer wieder neue Räume des öffentlichen Lebens besetzt. Industriebrachen, heruntergekommene Gewerbehöfe ohne Heizung verwandeln sich so zusehend in ansprechende Oasen der Spasskultur und Erlebnisgastronomie.

Mit der Kultur kommt die neue Wirtschaft, junge Leute die in New Media-Bereichen und anderen Kreativ-Berufen mit flexiblen Arbeitszeiten arbeiten strömen nach Mitte, genauso Ältere aus konservativeren Berufen, die von dem neuen Hype angesprochen werden.

Mit Ihnen kommt auch das Kanzleramt und die Immobilienfirmen, die zu utopischen Preisen Grundstücke erwerben, um diese der "Verwertung zuzuführen" und der New eConomy alle Annehmlichkeiten zu entsprechenden Preisen bereiten wollen. Die Quartiere 205-207 entstehen, ebenso die neuen Höfe und das Dussmann Haus, der Bahnhof Friedrichstrasse wird saniert und ebenfalls zu einem Multifunktionalen Center umgewandelt. Der kleine Park am Bahnhof wird über Nacht zur Baugrube und soll in wenigen Monaten in einem Geschäftshaus vielen Firmen als Bürohaus dienen.

Die Haushaltsexperten bei der Senatsverwaltung reiben sich wegen der Erträge aus der Veräußerung von landeseigenen Grundstücken die Hände. Von Gier getrieben, nimmt der Streit um die Verwertung der Mitte zu. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung will dem Bezirksamt die Planungshoheit für das Grundstück des ehemaligen Nobelhotels "Unter den Linden" und dem davorliegenden Platz entziehen. Die Gründe: Das BA Mitte erstellt einen Entwurf für einen Beabauungsplan (reguliert die Art und das Maß der möglichen Bebauung) indem auf dem Grundstück ein Geschäftshaus und ein öffentlicher Platz vorgesehen ist. Die Senatsverwaltung dagegen beabsichtigt, die Blockbebauung der unteren Friedrichstrasse auch auf dem Platz durchzusetzen und der Strasse ihre ursprüngliche Form wiederzugeben, auch mit dem Wissen, dass die jetzt schon recht häßliche Friedrichstrasse dann zu einer Betonschlucht verkommt.

Anders betrachtet bringt die Bebauung des Platzes, um die sich zwei Grundstücksverwertungesgesellschaften schon beworben haben (sollen), noch ein paar zusätzliche Millionen in die Kassen der Senatsverwaltung, die sicherlich in ein paar andere umstrittene Großprojekte, wie der Kanzlerbahn Verwendung finden können. Zudem werden Arbeitsplätze geschaffen und Parteifreunde mit Baufirmen oder befreundete Berater mit Aufträgen versorgt. Für die Berliner jedoch wird ein wichtiger Platz zubetoniert, das durchaus auch historischer Bedeutung genießende Hotel "Unter den Linden" abgerissen und die jetzt schon gesichtslose Friedrichstasse noch mehr vereinheitlicht und geschliffen.


Hoch lebe die Berliner Politik

 

Autor: aleks, aleks@simon-dach-str.deArtikel kommentierenCopyright 2000, Bennos Hütte