www.bennoshuette.de - Bennos Hütte - das E-Zine aus BerlinErschienen in: Ausgabe 6, September 2000 - zurück zur Startseite

 

 
Über Hunde
(zugesandt von Sophia (ja, der Sonne), Berlin)

Neulich, als die Sonne so schön wärmte und der Himmel mit einem zarten Blau kokettierte, ging ich also in den Mauerpark, um zu entspannen. Ich will jetzt gar nicht näher auf die merkwürdigen Menschen eingehen, die dort offensichtlich auch entspannten; ich möchte von den Hunden erzählen.

Es waren viele. So viele, daß selbst mein an Friedrichshainer Verhältnisse gewöhntes Auge verlegen zwinkerte. Aber, das muß ich dazu sagen, es war wenigstens kein Hund angeleint. Worüber ich mich sehr wunderte, daß also nicht ein Kind zerfleischt, ja nicht einmal angefallen oder wenigstens angebellt wurde. Ich möchte jetzt nicht sagen, daß ich enttäuscht war, ich spreche eher vielleicht von Überraschung und auch von Erstaunen. Habe ich doch in der letzten Zeit nicht nur im Fernseh, sondern sogar in Zeitungen davon erfahren können, daß Rottweiler oder anderes Viehzeugs angeleint und bemaulkorbt spazierengehen müßten, anderenfalls sie nächstgelegene Kleinkinder sofort verschlingen würden. Dort auf der Wiese war ein großer Hund, eine Mischung aus irgendwas (ich kenn mich da nicht so aus, Verzeihung), der so eine Art Platzhirschen darstellte. Jeder vorbeikommende andere Hund wurde sofort informiert, wer hier der Boß sei, und akzeptierte das meist sofort, ohne noch mit Knurren wenigstens pro forma zu protestieren. Na, und das kann man ja nicht nur an sonnigen, blauhimmligen Tagen im Mauerpark, sondern in Friedrichshain beispielsweise eigentlich immer beobachten, wie ich finde. Die klugen Tierchen hören aufs Wort, belästigen selten Passanten durch Anschnuppern, bellen fast nie und sind also, mal von der Defäkation abgesehen, friedliche, wenn auch große Zeitgenossen.

Wo ist der Hund?Anders der, womöglich frisierte, Schoßdackel oder -pudel von Omi. Zeit seines Lebens an der Leine geführt und bei möglichen Rangkämpfen von Omi weiter- oder weggezogen, hält sich Fiffi für den größten Hund in der Hausburgstraße (auch wenn er nicht die größten Haufen macht) und kläfft alles an, was sich in "seinem" Revier bewegt. Na, und da hab ich schon Hosenflattern, wenn Fiffi oder möglicherweise auch Bello an der Leine zerrt, und Omi wiegt vielleicht noch vierzig Kilo.

Dann fällt mir noch ein, als Abschluß sozusagen, daß kein Mensch in der Kampfhunddebatte fragt, ob und wie man Tierschutz und das Halten von zumindest großen, viel Auslauf benötigenden Hunden in der Großstadt, oder wenigstens in Friedrichshain, vereinbaren kann, und ob, natürlich, nicht manche sogenannten gefährlichen Hunde deswegen durchdrehen, weil sie in engen Wohnungen eingepfercht sind und zweimal am Tag in die Hausburgstraße bzw. einmal in der Woche in den Volkspark machen dürfen. Und, was man nicht vergessen sollte, besteht doch die deutsche Bevölkerung auch aus Kriminellen, Politikern, Steuerhinterziehern, Studenten und einem gewissen Anteil braver Bürger, und trotzdem habe ich noch nicht davon gehört, daß ein Bürger wegen krimineller Machenschaften eines anderen Bürgers, der ihm in gewissen Merkmalen ähnelt, eingeschläfert oder wenigstens auch nur vom Staat belästigt worden wäre.

Fazit, also mein persönliches, versteht sich: Ein Maulkorbzwang kann natürlich das subjektive Sicherheitsempfinden des Bürgers verstärken (wenn die Hunde Maulkörbe tragen, natürlich) und ist deswegen eine nähere Betrachtung würdig, aber der Leinenzwang zerstört auch den letzten Funken Sozialverhalten in den Hunden, wo ich meine, daß gerade das einen Hund gefährlich machen kann. Wie beim Menschen eben auch, wenn sein soziales Gefüge zerbricht und er sich nicht mehr zurechtfindet. Amen.


 

Autor: sophia, sonne-sophia@gmx.deArtikel kommentierenCopyright 2000, Bennos Hütte