www.bennoshuette.de - Bennos Hütte - das E-Zine aus BerlinErschienen in: Ausgabe 6, September 2000 - zurück zur Startseite

 

Interview EQ (ricarda)

Die BandWie gestalten junge Menschen ihre freie Zeit, wenn sie in einer Kleinstadt leben, in der Kulturangebote rarer sind als in größeren Städten? Sie machen, im zweifelsfreien Fall, Musik. So wie die Musiker der Band "EQ Earthquakers" aus Stralsund, die ich in dieser Ausgabe von Bennos Hütte vorstelle. Was charakterisiert sie? Sie haben oft seit vielen Jahren Unterricht in der Musikschule, sind demnach Könner ihrer Instrumente, sie haben Ideen und sind aktiv, wenn es um die wenigen Auftrittsmöglichkeiten geht. In Mecklenburg- Vorpommern gibt es etliche Bands, die alle mehr oder weniger über mangelnde Möglichkeiten zu Auftritten oder Übungsräume klagen. Hier ist es härter, am Ball zu bleiben oder Drehpunkt in der kleinen Musikszene zu werden. Die "Earthquakers" haben ihren ganz eigenen Stil gefunden. Mehr dazu im folgenden Interview.
Ricarda: Okay Tilman, ich stelle dir mal die erste Frage: wann habt ihr euch gegründet und wie habt ihr euch zusammengefunden? Stellt euch doch mal insgesamt vor.
Tilman: Die "Earthquakers" haben sich im Mai 1997 gegründet. Ausgegangen ist das Ganze von dem Drummer und dem Ex-Gitarristen. Wir haben ein bißchen zusammen geprobt, Wieland Möller am Schlagzeug, ich noch an der Gitarre, und merkten, daß etwas wichtiges fehlt. Nämlich ein Keyboard. Und da stand Gunther Seipel schon vor der Tür. (zu Gunther) Du hast richtig den Joker gezogen, was Gunther?

Er kam auch gleich im Mai dazu und ist uns bis heute treu geblieben. Wir hatten dann verschiedene Musikerwechsel; Felix Hammer war mal mit dabei, er spielte Bass und Geige, bis er dann aufgrund seiner Studiumsvorbereitung (er will Geige studieren) nicht mehr genug Zeit für die Band hatte, und dann? Wer war noch dabei?

(Zwischenruf: Schwester Stefanie!) Ach ja, Stefanie K. muß man, so denke ich, nicht unbedingt erwähnen. Das ist ein eher doofes Kapitel in der Bandgeschichte. Sie war für uns ein wenig untalentiert (spielte Bass) und zeigte in ihrer Art keinerlei innere Regungen- sie war ein bißchen sehr ruhig. (Diskussion der Bandmitglieder über weitere Musiker- episoden). Ich singe seit drei Jahren in der Band und werde auch die nächsten drei Jahre singen. Sie haben mich zwar von der Gitarre verdrängt, aber nicht vom Gesang. (lacht)

Gunther: Ich bin Gunther Seipel, vor allen Dingen Gunterchen (die anderen lachen), und ich versuche mich am Tasteninstrument. Ja, ich bin dem Herrgott auch sehr dankbar, daß ich bei den "Earthquakers" spielen darf (alles lacht). Wir sind einfach ein lustiges Völkchen.
Ricarda: Eine Zwischenfrage: Ihr habt alle in der Musikschule Unterricht?
Gunther: So ist es. Nicht unbedingt alle in einer, eher über den Kontinent verstreut. Wieland hat internationalen, wir übrigen provinzialen Unterricht.
Wielands StöckeWieland: (zögernd) Ich spiele also das Schlagzeug, wobei ich nicht darauf herumschlage. Ich versuche immer, Musik mit diesem Instrument zu machen. Schlagzeug spiele ich seit fünf Jahren und singe außerdem noch im Hintergrund, Background sozusagen.

Und jetzt Sabine alias Sebastian Döppe.

Sebastian: Ja, ich bin die einzige Frau in der Band. Ich spiele Gitarre seit drei Jahren und bin als Gastmusiker vor einem Jahr in die Band gekommen. Wir haben uns letztes Jahr beim Jazzmusik-Treffen kennengelernt. Aber das erste Mal haben wir uns beim Wettbewerb getroffen.
Ricarda: Was war das für ein Wettbewerb?
Tilman: Das war ein musikalischer Kreisausscheid, den es vor zwei Jahren in Stralsund und letztes Jahr auf Rügen gab. Initiiert wurde das Ganze vom Radiosender Antenne M- V. Es spielten acht verschieden Bands und es gab vier Kreisausscheide: in Stralsund, auf Rügen, in Greifswald und Neubrandenburg.
Sebastian: Die Bands, die den ersten und zweiten Platz bekamen, kamen zum Endausscheid nach Rostock.
Tilman: Die Gruppe "Einhorn"...
Sebastian: ... das ist die Musikschulgruppe auf Rügen, in der ich auch noch mitspiele. Jedenfalls habe ich bei diesem Wettbewerb Tilman und die anderen kennengelernt.
Tilman: Wir sind beide nach Rostock gekommen und haben nach dem Jazz-Event beschlossen, zusammen Musik zu machen.
Ricarda: Ihr habt also schon diverse Konzerterfahrung. Was waren die eigentlichen Höhepunkte dabei?
Tilman: Ich finde, unser letztes Konzert war das Beste. Wir spielten auf einer Open-Air-Bühne in der Stralsunder Innenstadt zum ersten Geburtstag der Studentenkneipe "Campus". Die allgemeine Stimmung war einfach positiv.
Gunther: Am Anfang unserer Band gab es in der Auferstehungskirche hier in der Stadt Rockevents, Adventsrock nannte es sich, da spielten wir oft. Aber die anderen Bands, meistens Metalbands, gefielen uns bald nicht mehr so. Allerdings waren diese Konzerte mit einer guten Technik ausgerüstet und das Publikum begann ab ca. 600 Leuten, das war gut. Jetzt sind es eher Konzerte in kleinerem Rahmen.
Steffi und TilmanTilman: Ich will noch etwas zu unserem letzten Konzert sagen: Da war nämlich Steffi Harder dabei, sie war unsere Gast-Jazzsängerin. Ich denke, sie wird zukünftig öfter mit dabei sein. Sie nimmt Gesangsunterricht in der Rügener Musikschule und hat eine schöne weiche Stimme.
Ricarda: Könnt Ihr sagen, welche Musikrichtungen und welche Musiker euch inspirieren?
Tilman: Ich ergreife mal das Wort: Momentan spielen wir Blues-Sachen, Jazz-Rock und Fusion.
Sebastian: Machen wir eigentlich Musik?
Tilman: Na, was denn sonst?!
Sebastian: Mensch Wieland, du bist doch der Groove-Meister, sag du mal was!
Wieland: Fangen wir mal mit dem Überbegriff an: wir machen Rock (lacht), teilweise Deutschrock und Melodikrock.
Tilman: Wir machen alles außer Ba-Rock.
Sebastian spielt nicht ganz harte MusikSebastian: Ganz harte Musik spielen wir aber auch nicht.
Tilman: Aber sowas wie Sasha eben auch nicht. Da wird mir immer ganz blümerant, wenn ich ihn sehe und singen höre.
Ricarda: Mal ein bißchen genauer: Welche Musiker inspirieren euch?
Wieland: Meine Idole sind die Backstreetboys!
Gunther: Ich mag Britney Spears total!
Ricarda: Jetzt bitte ernsthaft. Und erzählt nicht davon, was Ihr Euch in intimen Nächten anhört.
Wieland. Mich inspiriert zum Beispiel Chick Corea (Jazz-Pianist), aber auch Dave Brubeck (Jazz-Pianist).
Gunther: Und Dave Weckl (Drummer).
Wieland: Ja, auch. Aber der ist ein bißchen wild.
Sebastian: Ich bin der totale Eric Clapton Fan. Ich bin aber momentan ein bißchen umgesprungen: Mache und mag ganz gern Fusion-Sachen. Ansonsten mag ich eine Mischung aus Jazz und Rock und Santana.
Gunters begnadete HändeGunther: ... wenn ich das auf Menschen beziehe, dann mag ich John Lord (Sänger von Deep Purple), die haben ein breites musikalisches Spektrum, gerade auf ihrer neuen Platte, auf der sie mit dem Londoner Symphonic Orchester spielen. Vom Stil her orientiere ich mich eher an Bands und Gruppen, die Orgel und Keyboard dabei haben. Sonst höre ich Billy Joel und auch die Blues Brothers.
Tilman: Ich kann es bei mir nicht genau sagen, es gibt einfach nicht so viele bekannte Bassisten. Jacky Reczinek zum Beispiel, Deutschlands bester Funk-Bassist, den mag ich. Anthony Jackson ist auch ein geiler Jazz-Bassist, ...äh... (überlegt, verwirft) Scheiße ey, wieso kenne ich keinen Bassisten! Am Gesang anderer Musiker kann man sich schwer orientieren, weil die Stimme einfach etwas eigenes ist, da mußt du deinen eigenen Stil finden. Aber auf jeden Fall mag ich Norbert Leisegang (Sänger von Keimzeit).
Ricarda: Und wie geht ihr mit all diesen Stilen um? Werft ihr sie teilweise in einen Topf, wenn ihr eine neue Idee habt und über ein Stück nachdenkt? Was setzt ihr musikalisch um?
Gunther: also, es ist eher so: einer hat eine Idee, er macht dann einen Grundgroove und auf diesem baut sich dann die restliche Band irgendwie auf.
Tilman: Letztendlich zeigt sich dann unser Stil. Das, was wir machen, ist etwas eigenes. Wir haben z. B. das Lied "Breit" von Keimzeit gecovert, es aber nie so wie sie gespielt. Anfangs hatte es ein langsames Tempo - wie eine Ballade, inzwischen spielen wir es im Latin-Feeling. Man kann zwar Stücke covern, was wir auch tun, aber wir machen dann auch etwas eigenes daraus. Wir sind ziemlich abwechslungsreich.
Ricarda: Ihr habt auch mehr instrumentale Stücke als Text-Songs.
Wieland: Kommt auch besser so...
Sebastian: Ich will noch etwas zu der CD sagen, die es nur unter der Hand gibt: Das war eher ein Spaßprojekt. Wir haben uns zwei Tage Zeit genommen und 12 Titel aufgenommen. Das war einfach just for fun. Ich finde, man muß es so machen: in Titel, die einem selbst irgendwie Spaß machen und die einen auf musikalischer Ebene fordern, legt man alles hinein. Eben anspruchsvoll sein, aber nebenbei auch Pop-Sachen zu machen, die sich das Publikum leicht anhören kann. Auf unserer CD ist eher Blues zu hören, wir versuchen aber, beide Gruppen anzusprechen.
Tilman: Mit dem Gesang ist das so eine Sache: Wenn man in einen Jazz-Club geht und hört sich eine Jazzband an, dann ist selten Gesang dabei und wenn, dann von einer Frau. Jazzsänger gibt es kaum.
Sebastian: Aber Manfred Krug hat doch in Richtung Jazz gesungen, oder?
Tilman: Ja, schon. Wir versuchen, auch die Leute, die einfach nur hören wollen, anzusprechen. Aber es ist immer verschieden: Ein Teil kommt fast ausschließlich wegen der Musik, ein anderer, um alte und neue Texte zu hören.
Ricarda: Auf jeden Fall erregt ihr hier im Norden mit eurer Musik Aufmerksamkeit.
Alle: Ja.
Tilman: Aber wir kommen auch schlecht von Rügen und Stralsund weg. Deshalb spielen wir am ehesten in Stralsund. Ich wäre gern mal wieder in einem Greifswalder Club... Aber auf Wettbewerbe habe ich keine Lust mehr. Da werden Bands verglichen, die man nicht vergleichen kann, weil sie unterschiedliche Musik machen. Ich mag dieses Konkurrenzverhalten nicht. Ich will Musik machen, um mich zu amüsieren.
Ricarda: Wie sieht es aus: Ihr seid aufgrund der Schule alle noch mindestens ein Jahr hier. Welche Pläne habt ihr?
Tilman: Ein Jahr gibt es uns auf jeden Fall noch. Dann müssen wir einfach sehen. Wir möchten noch einen Bläsersatz (Saxophon, Trompete, etc.) als Gastmusiker dazu nehmen. Das ist, neben etlichen Konzerten im Herbst 2000 unser nächstes Ziel.

Songs zum Download

Adresse

EQ earthquakers
c/o Gunther Seipel
Jungfernstieg 22
18437 Stralsund

Tel.: 0170  8021678

eMail: earthquakers@gmx.de

 

Autor: ricarda, Elfe-blau@gmx.deArtikel kommentierenCopyright 2000, Bennos Hütte