| www.bennoshuette.de - Bennos Hütte - das E-Zine aus Berlin | Erschienen in: Ausgabe 7, November 2000 - zurück zur Startseite |
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"Wo ist Gott?!" - Rezension mit verteilten Rollen |
(MaT) |
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![]() Heiner Geißler © Copyright Rowohlt Verlag, Berlin 2000, www.rowohlt.de |
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Du hast ja Recht, Klaus. Gedulde dich nur noch eine Minute, dann habe ich das fünfte Kapitel ausgelesen. Wie weit bist du denn mit der Lektüre des Büchleins schon vorangekommen?
So, fertig! Hier, bitte, jetzt kannst du weiterlesen.
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Na ja, Klaus, ob ich wirklich schon DIE Antwort auf solche und ähnliche Anfragen gefunden habe, das weiß ich wirklich nicht. Allerdings: Mir sind viele Antworten begegnet im Laufe meines Lebens und ich habe sie sorgfältig geprüft. Manche erschienen mir sehr spekulativ, aber andere haben sich bewährt - und diese Antworten sind es, die du zu hören bekommst, wenn du mir solche Fragen stellst wie die nach der Existenz Gottes. Weil ich aber denke, dass es hilfreich und anregend ist, auch die Antworten anderer Menschen zu hören, habe ich dir dieses kleine Büchlein geschenkt - keineswegs in der Hoffnung, dass es alle deine Fragen nach dem Woher und Wohin unseres Lebens zu beantworten vermag, sondern vielmehr in der Zuversicht, dass es in dir die Lust am Weiterfragen und Weiterprüfen wecken wird.
Vielleicht trügt dein Eindruck, Klaus. Ich habe schon das Gefühl, dass es einen Gedankenfortschritt gibt; obgleich die wesentlichen Fragen zumindest in den ersten fünf Gesprächsgängen dieselben sind.
Langsam, langsam! Die Fragen sind zwar dieselbe, aber es ist doch immer wieder ein anderer Blickwinkel, aus dem heraus der Versuch unternommen wird, eine Antwort auf diese Fragen zu finden.
Davon bin ich auch beeindruckt. Ich finde es gerade jetzt besonders hilfreich, dass auch mal ein Politiker klar und deutlich zu verstehen gibt, wie wichtig die verschiedenen Religionen und Weltanschauungen gerade auch für den Staat und in der Politik sind. Wir Theologen haben zwar oft Schwierigkeiten mit solchen Argumentationen, wie sie Heiner Geißler vorbringt, aber...
Ja, Moment, was sagt er? Ach so, pass auf! Der Heiner Geißler sagt, dass ein Glaube an Gott deshalb praktisch ist, weil er ein friedliches Zusammenleben der Menschen ermöglicht, ohne dass irgendjemand benachteiligt wird.
Dein Einwand ist schon berechtigt, Klaus. Er ist auch nicht unwichtig, denn er zeigt uns, dass auch ein Glaube an Gott, ja das Gottes Name selbst missbraucht werden kann, um die größten Schandtaten zu rechtfertigen. Wo so etwas geschieht, sollten wir immer genau hinschauen und uns fragen: Gehen hier wirklich die Religionen aufeinander los oder spielen in Wahrheit ganz andere Interessen die Hauptrolle; und: wenn tatsächlich die Religionen aufeinander losgehen, sind sie dann ihren eigenen Ansprüchen noch treu oder sind sie schon von Gottes Wegen abgewichen? Aber ich will noch einmal zu dem Gedanken von Heiner Geißler zurückkommen - danach hast du mich ja gefragt. Er meint, dass ein rechter Glaube an Gott ein friedliches, von Benachteiligungen freies Zusammenleben der Menschen deshalb ermöglicht, weil jeder einzelne sich darauf berufen kann, von Gott geschaffen und bejaht zu sein, so dass kein anderer die Befugnis hat, ihm seine Grundrechte abzusprechen. Unser Grundgesetz sagt es so: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
An der Menschenwürde haben wir gar nichts auszusetzen; aber schwierig ist der Gedanke, dass der Glaube an Gott eine nützliche Sache sei, weil dann das Zusammenleben der Menschen besser funktioniert. Das klingt fast schon so, als ob sich eines Tages ein schlauer Politiker in sein Kämmerchen zurückgezogen hätte, und als er dann drei Tage lang darüber angestrengt nachgedacht hatte, wie es denn zu erreichen sei, dass endlich alle Menschen gleichberechtigt sind, war die Idee Gottes geboren. Für uns Theologen ist es allerdings genau umgekehrt: Der Glaube an Gott war zuerst da und er ist es, der die Vorstellung von der unantastbaren Menschenwürde beinhaltet, die Voraussetzung für das Funktionieren unserer Gesellschaft ist. Übrigens verschweigt Heiner Geißler nicht, woher er diese Idee von der praktischen Vernünftigkeit der Religion hat: von dem Philosophen Immanuel Kant. Auf den sind nun aber viele meiner Kollegen gar nicht gut zu sprechen, denn die kantische These, dass Gott, Freiheit und Unsterblichkeit für eine reine theoretische Vernunft keine metaphysischen Grundwahrheiten mehr sein könnten, sondern...
In Ordnung, Klaus - Aber erinnere mich dran! Und: Ist es nicht schön zu erleben, dass dieses schmale Bändchen tatsächlich zum Weiterdenken und Weiterreden einlädt?
Ich kenne da eine schöne Anekdote...
Oh - in mancher Anekdote steckt mehr Wahrheit als in
so manchem schlauen Buch. Höre nur zu! Der Rabbi kam zu seinem Schüler und sprach zu
ihm: "Einen Schekel will ich dir geben, wenn du mir sagen kannst, wo Gott
wohnt." Sprach der Schüler: "Und ich will dir hundert Schekel geben, wenn du
mir sagst, wo er nicht wohnt."
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| Autor: mat, mat@bennoshuette.de | Artikel kommentieren | Copyright 2000, Bennos Hütte |