www.bennoshuette.de - Bennos Hütte - das E-Zine aus BerlinErschienen in: Ausgabe 7, November 2000 - zurück zur Startseite

 

Eine neue Brücke nach Rügen (zugesandt von Tilman, Stralsund)


Der Artikel über den Flughafenbau in Schönefeld von Svante erinnert mich an ein Projekt, welches im schönen Norden Deutschland durchgesetzt wird, nämlich auf der Insel Rügen. Seit langem wird über eine neue Verkehrsanbindung diskutiert und auch schon fleißig an ihr gebaut, seit nämlich genau drei Jahren. Es handelt sich um eine Verkehrsanbindung an die neue umstrittene Autobahn A 20, die ja auch durchgesetzt wurde.

An die Autobahn wird sich eine weitere neue Straße anschließen, nämlich die B96 b, die neue, breitere B96 sozusagen. Denn die "alte" B96 wurde ja erst vor 6 Jahren saniert. Es muss also unbedingt eine neue her - und mit ihr auch eine neue Brücke über den Strelasund - obwohl da auch die "alte" Brücke vor drei Jahren komplett überholt wurde.

Um verschiedene Brückenvarianten zu finden und auch zu beschließen wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Es kamen zwei Möglichkeiten dabei heraus: Die erste Möglichkeit war die sogenannte "Huckepack"-Version des freien Architekten Assisi. Bei dieser Variante wird die neue Brücke direkt über die alte gebaut. Denn der bestehende Rügendamm soll nicht abgerissen werden: Genau wie die alte B96 wird er weiter genutzt. Vorteil dieser Variante: Das wirklich wunderschöne Panorama der Hansestadt wird nicht zugebaut. Letzteres wäre bei der "Zwillings"-Version der Planungsgesellschaft Deges der Fall. Dabei wird die neue Brücke in 58m Höhe direkt parallel zur alten Brücke gebaut. Damit wäre sie fast so hoch wie der Turm der St. Marien-Kirche in Stralsund. Es wurden öffentliche Debatten über beide Brückenvarianten veranstaltet. Bürger der Insel Rügen konnten daran teilnehmen und öffentlich darüber diskutieren. Soweit schien das ja alles in Ordnung zu sein. Man traf sich, diskutierte, es wurde von allem fleißig in der Presse berichtet. Eine Abstimmung der Bürgermeister der betroffenen Gemeinden entschied sich dann für die Variante des Architekten Assisi. Leider Gottes haben Bürgermeister nicht viel Entscheidungskraft gegenüber der Landespolitik, da sie ja fast ausschließlich ehrenamtlich im Dienst sind. Diese hatte sich natürlich längst für die Deges-Variante entschieden. Die große, neue Brücke wird neben dem Rügendamm zukünftig den schönen Blick auf Stralsund versperren.

Mit der neuen Verkehrsanbindung erhofft man sich einen wirtschaftlichen Aufschwung auf der schönen Touristeninsel Rügen. Denn wie auch jedes Jahr konnte man in dieser Saison sich wieder an zahlreichen Staus auf der B96 erfreuen. Doch es hält die Leute nicht ab, unsere Insel zu besuchen - und genau da ist der Knackpunkt: Wenn man Urlaub machen möchte, schaut man in der Regel nicht auf die Verkehrslage in der Region. Staus werden eingeplant. Stattdessen möchte man seine Ruhe haben, schließlich hat man Urlaub. Man hält nach schöner Natur und verschiedenen Freizeitmöglichkeiten Ausschau. Wenn man jedoch in naher Zukunft einen farbigen Hochglanzprospekt der Insel Rügen durchblättern wird, so kann man eine klotzige, wenig elegante Brücke erblicken. Man wird direkt auf einem großen Parkplatz empfangen, muss eine Straßengebühr entrichten und darf dann die schöne, neue, vierspurige Straße benutzen. Von der Landschaft sieht man auf den ersten zehn Kilometern nicht viel, denn neben der Straße verläuft eine Schallschutzmauer, um die naheliegenden Ortschaften vor Verkehrslärm zu schützen. Wow, wird man denken. Ist das die schöne Ostsee-Insel? Ist das die unberührte Natur, die Erholung für Körper und Geist? Nein, das ist sie nicht. Das ist die Verplanung eines sehr schönen Erholungsgebietes.

Mit der neuen Brücke und der neuen Straße wird ein letztes Tabu gebrochen. Bis jetzt soll die Straße nur bis zur Kreisstadt Bergen gebaut werden. Doch bald folgen weitere Straßen, damit die Touristen bequem direkt an den Strand fahren können.


(tilman)

 

Autor: tilman, happytil@gmx.deArtikel kommentierenCopyright 2000, Bennos Hütte