| www.bennoshuette.de - Bennos Hütte - das E-Zine aus Berlin | Erschienen in: Ausgabe 9, Juli 2001 - zurück zur Startseite |
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Die Bahn kommt - aber sie nimmt nicht jeden mit |
(ricarda) |
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Ja,
warum nicht? Ruhig alles wegretuschieren, was noch Gewinn bringt, damit
wieder alle mit dem Auto fahren und die Luft verpesten. Das Jammern über
Verluste seitens der Bahn wird nicht ausbleiben. Wirklich sehr bedauernswert,
daß die Deutsche Bahn noch immer nicht gemerkt hat, wie schmerzhaft selbst
zugefügte Schnitte ins eigene Bein fürs Geschäft sein können. Sie fährt
eine Taktik, die so blödsinnig ist, daß sie scheinbar den fortschrittlichen
Geist der führenden Köpfe komplett ausschaltet - und das über Jahre! Denn:
wer absichtlich - oder schlimmer noch: ohne es zu merken - in Zeiten der
besonderen Reisefreudigkeit zwei Doppelstockwaggons für ungefähr dreihundert
Fahrgäste und viele Fahrräder bereithält, der muß entweder keinerlei Skrupel
haben, seine Absichten erkennen zu lassen oder doch eine akute Verdrehung
der Realität im Kopf. Die Deutsche Bahn - ein Freund auf Reisen? |
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O, ich könnte erzählen, womit ich mich herumgeschlagen habe all die Jahre, wenn mein Bedürfnis, an der Ostsee zu sein (in der Hinsicht ist es dumm, daß dort mein Zuhause ist) und dann auch mal wieder nach Berlin zu fahren, bis jetzt nur der Zug erfüllen konnte. Mittels meines Geldes natürlich. Ich könnte von meinen Mordgelüsten erzählen, die mich überkamen; allein gelassen in vollgestopften Zügen, keine frische Luft, geschweige denn wenigstens ein funktionierendes, ein bißchen sauberes Klo; von unfreundlichen keifenden Tanten belästigt, weil sie trotz der Hitze auf geschlossene Fenster bestanden - der Zugwind; wenn ich Schaffnern gegenüberstand, die es auch noch wagten, Fahrscheine zu kontrollieren. Und die jährlichen Fahrpreiserhöhungen bei sinkendem Komfort... Inzwischen habe ich eine besondere Fähigkeit entwickelt: weil ich um die Platzknappheit weiß, kämpfe ich verbissen in vorderster Front. Ich bin so flink geworden und habe sowenig Skrupel, selbst alte Tanten vorzulassen, daß ich meistens auf einen Platz sinken kann, mit klopfendem Herzen und Erschöpfung im Gesicht. Aber das kann es doch nicht sein. Das
Unternehmen Deutsche Bahn scheint von allen guten Geistern verlassen zu
sein. Ein Unternehmen, das über zu viele Kunden jammert und seine Organisations-
und Finanzierungsprobleme nicht im eigenen Laden angeht, sondern die Schuld
bei denjenigen sucht, die gern reisen wollen - wo gibt es so etwas? Die
Menschen, die nicht per first class reisen können, werden von der Deutschen
Bahn vom Trittbrett geworfen. Inzwischen scheint das Thema Wochenendticket
vom Tisch, zumindest äußert man sich darüber in den Medien nicht mehr.
Dafür werden jetzt Interregiostrecken stillgelegt, die Strecke Berlin-Malmö
wird ganz rausgenommen, und wieder werden nur Bummelzüge mit zwei oder
drei Waggons eingesetzt. Man wird sehen; ich bin mir sicher, meine Voraussagen
werden sich zumindest teilweise bewahrheiten. Und die Fahrpreise werden
munter im ein- oder zweijährigem Wechsel erhöht. Buchstäblich auf der
Strecke bleiben weniger Verdienende wie zum Beispiel kinderreiche Familien,
Studenten und Arbeitslose. Also all jene, die sich für einen Ostseetrip
mehr Ausgaben nicht gut leisten können. Denen wird durch die Sparmaßnahmen
allzu leicht der Platz an der Sonne weggenommen. Die Bahn kommt, aber
nicht zu jedem. |
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| Autor: ricarda, Elfe-blau@gmx.de | Artikel kommentieren | Copyright 2001, Bennos Hütte |