|
VATER
WERDEN IST NICHT SCHWER (daslars)
|
Träume,
das sind Filme mit sich selbst in der Hauptrolle, spontane Einmalproduktionen
des Unbewussten mit einer Halbwertzeit, die kürzer ist, als ich
morgens brauche, um meine Brille zu finden.
Es sei denn, man schreibt sie auf.
|
| Traum
1: |
Ich werde
Vater. Meine Freundin ist schwanger. Gerade hat sie zwei Baby-Rohlinge
geboren. Das ist vollkommen schmerzlos und kein Grund zur Sorge.
Alle Menschenkinder kommen so zur Welt. Man hat die Rohlinge,
pflegt sie ein paar Tage, dann schiebt man sie wieder in die Frau
hinein und weniger Wochen später werden die Säuglinge geboren.
Hat man erst mal die Rohlinge, kann man daraus schließen,
was aus ihnen für Menschen werden. Wir haben zwei. Ein Rohling
ist eine Motte, der andere eine Krabbe. Was das genau heißt, habe
ich vergessen. Es war nichts Besorgniserregendes, eine ganz normale
Entwicklung. Nicht normal ist, dass ich mit den Rohlingen nicht
sorgsam genug umgegangen bin. Ich habe der Krabbe ein Bein abgebrochen.
Jetzt mache ich mir Sorgen, was das für unser Kind bedeutet.
|
| Traum
2: |
Ich werde
Vater, nein ich bin es. Meine Freundin hat entbunden. Wieder sind
es zwei Kinder. Eins ist in einer Flasche, das andere ist ein
Brei. Alle Kinder kommen so zur Welt. Sie sind die ersten Tage
in einer Flasche. Wenn sie bei der Geburt noch nicht reif genug
sind, Frühgeborene also, sind sie ein Brei. Dann schimmert das
Gesicht nur etwas unbestimmt aus der Pampe. Aber mit Hilfe der
modernen Medizin, werden auch sie bald eine Flasche. Ich bin also
Vater zweier gesunder Kinder. Doch dann stoße ich die Flasche
um, und etwas schwappt heraus. Nicht viel, aber wer weiß, wie
schlimm das ist. Und dann beginne ich noch mit einem Freund von
dem Brei zu naschen.
|
|