| www.bennoshuette.de - Bennos Hütte - das E-Zine aus Berlin | Erschienen in: Ausgabe 10, Dezember 2001 - zurück zur Startseite |
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Afrika
bleibt draußen (ricarda)
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Eigentlich hat die folgende aktuelle Geschichte einen fast vergessenen Anfang: Das deutsche Kanonenboot Olga nahm das Reich von König Kum'a Ndumbe 1884 unter Beschuss, weil der mit dem wilhelminischen Deutschland keinen sogenannten Schutzvertrag schließen wollte. Die deutschen Angreifer raubten daraufhin erst einen reich verzierten Schiffsbug, der für das gesamte Königsvolk eine hohe kultische Bedeutung hatte, dann steckten sie den Palast in Brand. Der Schiffsbug liegt bis heute im Völkerkundemuseum in München und der Enkel, Prof. Kum'a Ndumbe, des damaligen Königs, der ihn zurückfordern wollte, wurde mit einer Absage davon geschickt. Ihm wurde aber freundlicherweise angeboten, eine Replik herzustellen, allerdings auf seine eigenen Kosten. Aber wie gesagt, eigentlich geht es um etwas anderes: um die Vernachlässigung Afrikas am bekanntesten deutschen Institut für Politikwissenschaft. Es geht um einen international hochkarätigen und engagierten Hochschullehrer und um seine miserablen Arbeitsbedingungen (kein Bürozimmer, keine Sekretärin, keine studentische Hilfskraft, nicht einmal eine Kopierkarte) und es geht um Misstöne, die ihm und seinem Engagement von der Uni- Leitung entgegenschlagen. Es geht um einen Professor, der internatonal ausgebildet wurde (Abitur in München, Promotion in Lyon, Habilition am Otto-Suhr-Institut in Berlin, Lehrtätigkeit in Kamerun, in Frankreich, in Deutschland) und der es sich zur Aufgabe gemacht hat, uns Studenten den Einblick zu geben in und unseren Blick zu schärfen für die Geschichte, Philosophie, Politik und Kultur eines ganzen Kontinents. Den Kontinent mit gleichsam afrikanischen Augen zu betrachten. Seine Lehrveranstaltungen sind überfüllt, er wird wegen seiner Praxisnähe und seines Wissens von Studenten geschätzt. Und es geht um das von ihm entwickelte Ausbildungsprogramm, dass afrikanischen Autoren ermöglicht, ihre Thesen und Studien zu veröffentlichen oder darum, den Studenten überhaupt erst mal Bücher von afrikanischen Wissenschaftlichern in der Bibliothek zur Verfügung zu stellen, darum, Studenten Praktika in Afrika zu vermitteln und ihnen Stipendien mittels einer von ihm gegründeten Stiftung zu geben, und schlussendlich geht es darum, die Seele Afrikas begreifen zu lernen mit dem von ihm gegründeten afrikanischen Filmfestival, das jedes Jahr in Berlin stattfindet. Er entwickelte und unterhält außerdem mit engagierten Studenten eine aufschlussreiche Homepage (http://www.africavenir.com). Die Verhältnisse am Otto-Suhr-Institut (OSI) haben sicherlich nichts mit Kanonenbooten und Schiffsbugen zu tun, auch nichts damit, dass Professor Kum'a Ndumbe seit 1961 in Deutschland als Gast behandelt wird, und auch nichts mit der Nichtachtung seiner Lehrtätigkeit. Sie sind ausschließlich den Sparzwängen geschuldet. "Wenn das OSI Afrika dauerhaft will, müsste ein anderer OSI-Lehrstuhl dafür über die Klippe springen", so der Dekan des Fachbereichs E. Sandschneider. So einfach entscheiden sich die Umverteilungszwänge am größten Institut für Politikwissenschaft. Es wird dabei vergessen, dass das OSI enorm von den Afrika-Studien profitieren könnte, da es das einzige Institut in Deutschland ist, dass seit Anfang der Neunziger einen so versierten Professor hat (die FU-Historiker haben in zehn Jahren nur zwei Afrika-Seminare angeboten, fast 50% der guten Seminare über Afrika wurden in den letzten 10 Jahren von Prof. Kum'a Ndumbe gehalten), allerdings bekommt er seit Monaten kein Gehalt. Sein Stipendium vom DAAD ist vor einiger Zeit ausgelaufen und seitdem zahlt die FU auch nicht mehr. "Stellen Sie sich mal vor", kehrt Professor Kum'a Ndumbe die Verhältnisse um, "an der Universität von Yaounde würde Geschichte gelehrt ohne europäische Geschichte!" Professor Kum'a Ndumbes Engagement bei seiner Lehrtätigkeit, mit den Studierenden und in der Umsetzung seines Ausbildungsprogramms ist in ernster Gefahr, und er selbst am Ende. Mit diesen momentanen Existenzängsten kann er in Berlin nicht bleiben. Fieberhaft versuchen Hajo Funke, Professor und OSI-Direktor, Peter Grottian, Professor, und viele Studenten (AfricAvenir-Gruppe), eine ernstzunehmende Perspektive zu finden. Angedacht sind Stiftungs- Sponsoren unterschiedlicher Richtung, die den Großteil seines Gehalts finanzieren, so dass eventuell die FU für den kleineren Teil aufkommt. Prof. Kum'a Ndumbe selbst wartet auf ein politisches Signal, mit dem er vielleicht doch noch einen sicheren Platz zum Leben und Arbeiten in Deutschland bekommen kann. An eine Wiedereinrichtung eines Afrika-Lehrstuhls ist nicht gedacht, in dieser Hinsicht ist OSI-intern schon 1992 geschlachtet worden, als man den damaligen Lehrstuhl für Afrika über die Klinge springen ließ. Und zurückgegeben wird nichts. Das ist am Berliner Otto-Suhr-Institut nicht anders als im Völkerkundemuseum in München. Ricarda |
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| Autor: ricarda, Elfe-blau@gmx.de | Artikel kommentieren | Copyright 2001, Bennos Hütte |