| www.bennoshuette.de - Bennos Hütte - das E-Zine aus Berlin | Erschienen in: Ausgabe 10, Dezember 2001 - zurück zur Startseite |
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Budapest |
(ricarda) |
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Diese großartige Stadt an der Donau. Die sich nicht an einen typischen Baustil hält, sondern viele verschiedene Merkmale besitzt, Jugendstil, Klassizismus, orientalisch anmutende Tier- und Blumenornamente, Zeichen der ungarischen Volkskunst wie Majolikakacheln, bunte Dachziegel wie auf dem Dach des Kunstgewerbemuseums, das derzeit eine prachtvolle Jugendstilausstellung verschiedener Länder zeigt. Und der breite Fluss Donau strömt zwischen den Stadtteilen Buda und Pest gemächlich dahin, um von einer zur anderen Seite zu gelangen kann man mit der Metro unter dem Fluss fahren oder sich die unterschiedlichsten Brücken aussuchen: die berühmte Kettenbrücke, die strahlend weiße Elisabeth-Hängebrücke oder aber die Freiheitsbrücke, die nach der Sprengung von der Wehrmacht am Ende des Zweiten Weltkrieges 1946 als erster Donauübergang wieder errichtet wurde. Ich erinnere mich an mein Staunen über diese schöne Stadt, das ich jeden Tag auf meinem Gesicht spazieren trug: über die roten Elektrobusse mit ihren gelben "Fühlern" (Verbindung zum Stromkabel), die einem beim Versuch, sie auf dem Film festhalten zu wollen, immer davon fuhren; über die vielen alten und dennoch schönen Häuser, die auch in den armen jüdischen Vierteln von ihrem früheren prachtvollen Leben erzählen; über die obdachlosen Männer, die an jedem öffentlichen Platz und in jedem noch so kleinen Park Schach spielten (die Zuschauer in Trauben um die Spieler herum); über den seltsamen Kontrast von Läden mit westlich und östlich geprägten Lebensgütern- Rossmann, Kaisers, Fielmann-Filialen und daneben kleine verhuschte Eck- oder Kellerläden mit Waren, die ich aus meiner DDR-Kindheit kannte. DDR- Flair auch in der kleinen Pension, die mir das Frühstück verhasst machte, sodass ich meinen Milchkaffee lieber in einer der modernen Cafés im Zentrum trank und mir jeden Morgen leckeres handgeformtes Gebäck kaufte (nach ein paar Tagen wussten die Verkäufer über meine Wünsche Bescheid, und wir wurden nicht müde, uns gegenseitig den vorzüglichen Geschmack der Backwaren zu versichern). Ein Erinnerungslächeln entlockten mir die Trabbis, Warburgs, Ladas und Barkasse, am meisten dann, wenn sie hintereinander in einer Reihe standen. Gefährlich ist der ungarische Verkehr allemal: Ampeln für Fußgänger werden von den Autofahrern irgendwie nur als lustige Attrappe betrachtet und die Rechtsabbieger bringen trotz grünem Ampelmännchen und Zebrastreifen den Tod von hinten- wenn man nicht springen und rennen will.
Die Stadt bietet an jeder Ecke etwas Neues: ein Straßenkonzert mit einer Mischung von modernen und volkstümlichen Instrumenten, Kellerkneipen, in die man lieber nicht hinein geht, als Ritter verkleidete, mürrische, sich ihres albernen Aufzuges bewusste Kellner, die einem trotzdem das Dessert bringen und dem architektonisch wahrscheinlich schönstem MC´ Donalds der Welt (in dem ich aber lieber nicht gegessen habe). Und wer den Körper und die Seele verwöhnen möchte, begibt sich in eine der verschiedenen Thermalbäder der Stadt. Am meisten zu empfehlen ist das Gellért- Bad am Fuße es gleichnamigen Berges. Was
braucht man, um Budapest genießen zu können? Wache Augen, Sonne, Neugier
und Zeit. Vor allen Dingen aber sollte man schnell rennen können, damit
man später wieder einmal einen feinen Abstecher nach Budapest machen kann.
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| Autor: ricarda, Elfe-blau@gmx.de | Artikel kommentieren | Copyright 2001, Bennos Hütte |