| www.bennoshuette.de - Bennos Hütte - das E-Zine aus Berlin | Erschienen in: Ausgabe 10, Dezember 2001 - zurück zur Startseite |

| Zwei
Impressionen aus Indien (zugesandt von Martin, Tübingen)
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8.6.2001, Delhi Die Luft: Eine Wolke aus Hitze, Staub und Abgasen schlägt dir entgegen. Delhi im Juni 2001. Dein Körper ist in eine Flüssigkeit eingetaucht, aber der Schweiß vermischt sich mit der Luft, schmeckt trotzdem immer noch salzig. Aber nicht nur die Luft - überall Schmutz am Boden und Gehbehinderte kriechen darauf herum... Das Leid auf der Strasse ist nicht an einem Tag zu sehen. Nein - es bedarf an vielen Tagen: Sehen, ins Bett gehen, wieder aufwachen, erneut sehen - solange, bis es im Bauch ist, bis du es mit der Seele spürst. Und das passiert, wenn du erkennst, dass das für diese Leute Alltag ist. Tag für Tag... Es ist kein Film, der vorüber geht; es ist kein Spiel für Touristen, die dann "in Indien" waren, was sich esoterisch anhören soll - das geheimnisvolle Land - etc... Die Inder, die ich kennenlernte, wollen alle nur eins: Dass es ihnen besser geht - vielleicht irgendwo im Ausland studieren...
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10.6.2001, im Zug von Delhi nach Madras (Chennai) Wir fahren seit 28 Stunden, die Erschütterungen des Zuges, der Wind und das Geräusch der Ventilatoren gehören langsam einer vertrauten Umgebung an. Es ist Nacht draußen, die Menschen liegen auf Pritschen. Second Class Sleeper nennt sich das. Ab und an kriecht ein Junge auf dem Boden, kehrt ihn und will dafür ein paar Rupies. Jeder scheint Zeit zu haben, kein Streit - nichts. Ständig kommen Menschen den Gang entlang, schreien Tschai (Tee) ... und anderes - das Essen ist wie immer viel zu scharf. Auf der Suche nach Zigaretten kam ich an der Zugküche vorbei - die Temperatur im Zug ist hoch, hier in den heißen Dämpfen der Küche noch 10° heißer. Es sind drei Pritschen übereinander, ich liege auf der obersten, direkt neben den drei Ventilatoren Das Gepäck ist oben am Kopfende; ein Mann sagte mir, am Boden wäre es nicht sicher. Blinde schleichen sich am Gang entlang, bitten um eine Gabe, andere verkaufen sogar etwas - Unvorstellbar in einem Land, in dem man stets über den Tisch gezogen wird: Er kann die Geldscheine nicht sehen, tastet sich an den Pritschen entlang und preist seine Ware an. Gestern Nacht sah ich einen Bettelmönch vor der Toilette liegen, im Schlaf hält er einen Wasserkrug fest und etwas Nahrung, der Kopf ruht auf einer kleinen Tasche - sein Gepäck. Sein Körper ist nur mit Farbe und einem alten Stück Tuch bedeckt... Neben mir singt ein junges Mädchen vor dem Einschlafen, In gut sieben Stunden ist Chennai (Madras) erreicht - bin mir sicher, dass eine Hektik entsteht...
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Martin |
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| Autor: martin, martinkramer2000@yahoo.de | Artikel kommentieren | Copyright 2001, Bennos Hütte |