Fakultät: |
Theologische Fakultät, Humboldt-Universität zu Berlin |
Seminar: |
Proseminar KG: Die christologischen Streitigkeiten |
Dozentin: |
Dr. Silke-Petra Bergjan |
Autor: |
Matthias Vogt |
Thema: |
Kyrills Brief an Akakios von Melitene (ep. 40) |
Inhaltsverzeichnis
2.1 Historische Verortung und Datierung des Briefes
2.2 Der Absender: Kyrill von Alexandrien
2.3 Der Adressat: Akakios von Melitene und sein
Schreiben an Kyrill
2.4 Tenor und Charakter des Briefes
5 Kyrills Interpretation der
Unionsformel nach §§ 13-17
EÙfrainsqwsan
o oÙrano ka ¢galli£sqw ¹ gÁ: Mit einem Zitat aus den
Psalmen[1]
eröffnet Kyrill seinen Brief an Johannes von Antiochien, der die Wiederherstellung des
Frieden unter den Kirchen verkündet[2]. Doch die in dem Schreiben
enthaltene Unionsformel sichtbarer Ausdruck der Einheit war im Wesentlichen
ein Produkt der Antiochener; musste sie nicht bei konservativen Anhängern der Lehre
Kyrills auf Ablehnung stoßen, insofern sie in Teilen die Existenz zweier Naturen in dem
geeinten Christus implizierte? Der Bischof von Melitene Akakios war ein entschiedener
Vertreter der Lehre von der m
a fÚsij. Würde der Alexandriner ihm gegenüber die Unionsformel
aufgeben oder verteidigen? Wie sah Kyrills eigener Interpretationsansatz bezüglich dieser
problematischen Aussagen der Formel aus? Sein Brief an Akakios zeigt den Alexandriner
einerseits als Kirchenpolitiker, der zu dem gefundenen Kompromiss stand und dessen
Rezeption er auch von seinen eigenen Anhängern einforderte; der sich aber andererseits
als Theologe nicht scheute, die Kompromissformel zu interpretieren, ohne die eigene
christologische Konzeption dabei aufzugeben, und so seinen Anhängern ihre Aufnahme
erleichterte.
Diese Arbeit soll untersuchen und verdeutlichen, ob und wie der Alexandriner diese Aufgabe zulösen vermochte. Sie konzentriert sich deshalb zum einen besonders auf Kyrills sorgfältige Gliederung des Briefes und den bedachtsamen Gebrauch der gängigen Termini, zum anderen soll der inhaltlich zentrale Teil des Briefes (§§ 13-17) im Hinblick auf die umrissene Problemstellung analysiert und kritisch beurteilt werden. Den Eingang der Arbeit bilden die Fragen nach Entstehung und Überlieferung des Briefes, nach Absender und Adressat, nach der Intention und dem Inhalt des Schreibens.
Die Abkürzungen folgen: TRE, Abkürzungsverzeichnis,
zusammengestellt von Schwertner, S. M., Berlin/New York 21994. Zur
Aufschlüsselung der Kurztitel ist das Literaturverzeichnis zu vergleichen.
Berlin-Müggelheim, im September 1999.
Im Jahr 433 von Kyrill verfasst[11], gehört dessen Brief an Akakios von Melitene scheinbar nicht mehr in den Kontext des bald zwei Jahre zurückliegenden Konzils von Ephesus. Jedoch wurden in die Synodalakten nicht nur die unmittelbar mit dem Konzil selbst zusammenhängenden Dokumente aufgenommen, sondern auch Material, das einerseits über die Vorgeschichte, andererseits über den Ausgang der christologischen Kontroverse Auskunft gab, die zur Einberufung des Konzils geführt hatte[12]. Die Einigung im Jahr 433 war ein Kompromiss, der zumindest formal einen Schlusspunkt unter die Streitigkeiten setzte. Das in der Collectio Vaticana dem Brief Kyrills an Akakios (V 128) unmittelbar vorausgehende Dokument ist dessen Brief an Johannes von Antiochien (V 127); darin teilt er dem Patriarchen mit, dass er dem Kompromiss zustimme. Kyrills Brief an Akakios (V 128) soll den Adressaten darüber informieren, wie die Einigung zwischen den Kirchen zustande kam[13]. Auch sein Brief an den Bischof von Nikopolis Dynatos (V 129), verfolgt eine ähnliche Absicht[14]. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass Kyrills Brief an den Bischof von Melitene an dieser Stelle seinen ursprünglichen Ort innerhalb der Collectio Vaticana hat. Dass der Brief überhaupt Eingang in die Sammlung der Synodalakten fand, erklärt sich von dessen Inhalt her: weniger Kyrills Schilderung des Zustandekommens der Union dürfte die für die Aufnahme des Briefes in die Synodalakten verantwortlichen Sammler dabei interessiert haben, als vielmehr dessen Auseinandersetzung mit dem Vorwurf, er sei mit seiner Zustimmung zu der Formel der Antiochener von der eigenen Position im Streit um die Häresie des Nestorios abgerückt.
Kyrills Brief an Akakios ist von den griechischen Codices V, h, k, S, m, n, A, W, R, und B durchgehend bezeugt; die Handschrift U überliefert dagegen nicht den ganzen Text[16]. Schwartz berücksichtigt im textkritischen Apparat auch die lateinischen Codices, von denen ?t und ?c den Brief vollständig enthalten; die Handschrift ?d überliefert dagegen nur dessen zweite Hälfte[17]. Die handschriftliche Überlieferung des Briefes ist mit dessen Bezeugung durch zehn bzw. elf griechische Codices als sehr gut einzuschätzen; hinzu kommen die zwei bzw. drei lateinischen Codices. Nicht alle Handschriften haben jedoch denselben Wert. Im Anschluss an Schwartz ist V als der gewichtigste Zeuge einzustufen[18]. Die Codices h und k bezeugen eine Rezension von V (Collectio P), sind also von der Collectio Vaticana abhängig; das Gleiche trifft für die Codices m und n (Collectio D) in Bezug auf die Collectio Seguierana zu. Zu den ältesten Textzeugen zählen neben W und R (12. bzw. 11. Jh.) die Codices S und A (beide 12. Jh.).
Die Textkritik soll sich auf den Abschnitt des Briefes beschränken, der die wesentliche Grundlage für die Fragestellung dieser Arbeit bildet, und lediglich exemplarisch erfolgen[19].
1. Variante (ACO I,1,4, S. 26,21)
Äußere
Kritik: Die Codices S und D fügen vor
lÒgou das Wort qeoà ein. Die Mehrzahl der Handschriften (A, W, R, B, U, ?d, ?t und ?c) bezeugt den Text so, wie ihn Schwartz ediert hat.
Für lÒgou steht in den Codices V und P uoà[20]. Mit S bzw. V stützt
jeweils eine gewichtige Handschrift die beiden im Apparat verzeichneten Varianten.
Innere
Kritik: Auf den ersten Blick
ungewöhnlich ist die letztere Variante, insofern Kyrill bei der m
a-fÚsij-Formel den Terminus lÒgoj vorzieht[21]. Doch wenige Sätze vorher
kann er selbst aussagen, dass [...] m
an enai [...] t¾n toà uoà fÚsin [...][22].
Urteil: Die Entscheidung zugunsten der Lesart lÒgou fällt demnach allein aufgrund deren im Vergleich zu den
beiden Apparatvarianten besserer äußerer Bezeugung.
2. Variante (ACO I,1,4, S. 26,25f.)
Äußere
Kritik: Die
Wortgruppe À goàn
Øpost£sewn fehlt
im Codex W. Die übrigen Handschriften überliefern den längeren Text; er ist somit viel
breiter bezeugt.
Innere
Kritik: Kyrill spricht hier von einer
Unterscheidung der Øpost£seij; das ist für ihn zwar sehr ungewöhnlich, vom
parallelen Gebrauch zum Terminus fÚseij her aber nachvollziehbar[23]. Nachdem später auf dem
Konzil von Chalkedon festgelegt worden war, dass in Bezug auf Jesus Christus die m
a ØpÒstasij zu bekennen sei, bestand Anlass dazu, Kyrills Formulierung
kritisch zu bewerten.
Urteil: Demnach könnte die Wortgruppe absichtlich ausgelassen
worden sein. Aufgrund des gleichen Auslauts der beiden Termini kann es sich jedoch auch um
eine Haplographie handeln. Die ursprüngliche Lesart ist gleichwohl der besser bezeugte
auch von Schwartz vorgezogene längere Text.
3. Variante (ACO I,1,4, S. 28,4)
Äußere
Kritik: Für die Wortgruppe n aÙtoà ka prÒswpon bietet der Codex S die Lesart n aÙtî prosèpoij. Der Ausfall der Konjunktion ka wird auch von der Handschrift D bezeugt. Die übrigen Codices
überliefern den Text so, wie ihn Schwartz ediert hat.
Innere
Kritik: Die Differenz zwischen den
beiden Lesarten könnte nicht größer sein: Der von der Mehrheit der Codices bezeugte
Text spricht von dem einen prÒswpon Jesu Christi; nach S besitzt Jesus Christus prÒswpa (es sind wohl zwei gemeint). Auf Kyrill selbst wird dieser
Wortlaut nicht zurückgehen; die Behauptung zweier prÒswpa in Jesus Christus würde der Trennung des einen in zwei Söhne
gleichkommen.
Urteil: Wie immer die Lesart der Handschrift S entstanden ist[24]
gegen ihre Ursprünglichkeit spricht die schwache Bezeugung und ihr inhaltlicher
Widerspruch zur Lehre des Alexandriners.
Kyrill selbst informiert den Adressaten über die jüngsten Ereignisse betreffs der Wiederherstellung des Friedens zwischen den Kirchen[25]. Demnach konnte der Dissens zwischen den beiden Parteien aufgelöst werden, die sich im Verlauf des Konzils von Ephesus, das vom Kaiser im Jahre 431 einberufen worden war, gegenseitig anathematisiert hatten: Johannes von Antiochien stimmte der Absetzung des Nestorios zu, anathematisierte dessen Lehre und erkannte den Episkopat Maximians an. Kyrill akzeptierte im Gegenzug die von den Antiochenern vorgelegte christologische Formel. Letzteres verschweigt der Alexandriner allerdings gegenüber dem Bischof von Melitene[26].
Die Forschung datiert die Wiedererlangung der Einheit unter den Kirchen, deren sichtbarer Ausdruck die sog. Unionsformel ist, in den April des Jahres 433[27]. Kyrill dürfte seinen Brief an Akakios kurz darauf abgefasst haben[28].
Die Wiedererlangung der Einheit unter den Kirchen gab
Kyrill Anlass zum Jubel[30]. Das im Jahr 431 entstandene
Schisma, das einige Bischöfe sogar dem Patriarchen von Alexandrien selbst zugeschrieben
hatten[31],
war aufgehoben. Die Kritik an Kyrills Unnachgiebigkeit musste dem Lob für sein
erfolgreiches Bemühen um einen von beiden Seiten akzeptierbaren Kompromiss weichen, das
auch nicht ausblieb[32]. War aber Kyrill den
Antiochenern mit diesem Kompromiss vielleicht nicht zu weit entgegengekommen, insofern er
damit in den Augen seiner konservativen Anhänger die eigene Position im Streit um die
Häresie des Nestorios möglicherweise aufgegeben hatte?
Akakios hatte als Vertreter der Diözese Pontus am
kyrillischen Konzil zu Ephesus (431) teilgenommen. Nach Fraisse-Coué gehörte er schon
damals mit [...] zu den entschiedensten Gegnern des Nestorius [...][34].
Eine Predigt, die er auf dem Konzil gehalten hat[35], enthält theopaschitische
Formulierungen, die bei den Antiochenern auf Ablehnung stoßen mussten[36].
Bei den späteren Verhandlungen in Chalkedon behauptete der Bischof von Melitene nach
Aussage der Antiochener erneut, dass paqht¾n enai t¾n qeÒthta[37], und erregte damit nicht nur
deren Gemüter, sondern auch das des Kaisers[38].
Von Akakios ist u. a. auch ein Brief an Kyrill erhalten
geblieben[39].
Darin bittet er den Patriarchen von Alexandrien zum einen darum, dass er sich um alle
Kirchen in gleicher Weise kümmern solle; zum anderen soll Kyrill darauf drängen, ein
jeder möge [...] publice anathematizare Nestorii et Theodori dogmata et praecipue
hos qui dicunt duas naturas post unitionem, proprie unamquamque operantem.[40]
Der Inhalt dieses Briefes und seine Stellung innerhalb
der Collectio Casinensis weisen darauf hin, dass der Bischof von Melitene ihn während der
Unionsverhandlungen verfasste[41]. Kyrills Schreiben an
Akakios ist demzufolge höchstwahrscheinlich dessen Antwort auf diesen Brief. Wie musste
diese Antwort aussehen, wenn sie auf die genannten Anliegen des Akakios eingehen wollte?
Die erzielte Einigung war ein Kompromiss, der dem
Bischof von Melitene schmackhaft gemacht werden musste. Zwar hatten die Antiochener die
Verdammung des Nestorios vollzogen; aber war damit auch seine Lehre verurteilt? War der
antiochenischen Idee von den zwei Naturen nach der Einung fortan jeglicher Nährboden
entzogen? Kyrill musste sich erklären: zum einen hatte er die von den Antiochenern
vorgelegte christologische Formel akzeptiert; zum anderen gab es inzwischen Briefe, in
denen behauptet wurde, Kyrill sei von den Beschlüssen zu Ephesus (431) abgewichen und
bekräftige die Unterscheidung der Naturen[42].
Der Brief an Akakios zeigt, dass Kyrill sich gegenüber
seinen Mitstreitern, ohne deren Unterstützung er aus dem Konflikt mit dem Patriarchen von
Konstantinopel nicht als Sieger hervorgegangen wäre, verpflichtet fühlte. Ausführlich
legt er die Rechtgläubigkeit der Kompromissformel dar und der Tenor des
Schreibens lautet deutlich: Nicht ein Häkchen und ein Jota bin ich von unseren
Beschlüssen zu Ephesus abgewichen[43]!
So stellt Kyrill im Hauptteil des Briefes die Häresie
des Nestorios und die rechtgläubige Lehre der wiedervereinten Kirchen als zwei sich
einander ausschließende christologische Positionen gegenüber[44].
Die von den Antiochenern vorgelegte Formel wird von Kyrill als deren notwendige
Rechtfertigung und Erklärung des Glaubensbekenntnisses ausgewiesen; ein neues Symbol ist
sie nicht[45]!
Der ganze Brief zeigt das Bemühen des Absenders, den gefundenen Kompromiss als einen Sieg
für die Anhänger Kyrills darzustellen; ein Kompromiss, der einerseits die Einheit der
Kirchen wiederherzustellen vermochte und eine Rückkehr zur Rechtgläubigkeit bedeutet,
andererseits gefährdet ist durch die üblen Unterstellungen und Verleugnungen der
Anhänger des Nestorios um so mehr gilt es, ihn zu verteidigen!
Im Anschluss an den Briefeingang unterrichtet Kyrill seinen
Adressaten über die Absicht und den Inhalt seines Schreibens (§ 1): Er möchte
berichten, wie der jetzige Frieden zwischen den Kirchen zustande kam. In dem ersten
längeren Abschnitt des Briefes schildert Kyrill diesen Friedensprozess,
beginnend bei den Bemühungen des Kaisers Theodosios II. um die Wiederherstellung der
Einheit der Kirchen, endend bei seiner Anerkennung der von den Antiochenern vorgelegten
Formel (§§ 2-4). Im Folgenden wendet sich der Alexandriner seinem Gegner und dessen
Anhängern zu (§ 5): Deren Behauptungen, dass die Unionsformel ein neues
Glaubensbekenntnis darstelle und mit der Lehre des Nestorios in Teilen übereinstimme,
weist er entschieden zurück (§§ 8-9). Der Hauptteil des Schreibens beinhaltet Kyrills
ausführliche Gegenüberstellung der einander widersprechenden christologischen Positionen
des abgesetzten Bischofs von Konstantinopel einerseits und der Antiochener der Union von
433 andererseits (§§ 9-18). Im letzten größeren Abschnitt des Briefes grenzt sich
Kyrill gegenüber den Lehren des Arios und denen des Apolinarios ab (§§ 19-20);
anschließend unterstreicht er, dass er sich mit Athanasius Brief an Epiktet in
Übereinstimmung befinde (§ 21). Das Schreiben endet mit einer Warnung vor gefälschten
Briefen (§ 22).
Der Hauptteil (§§ 9-18) gliedert sich in vier
Gegenüberstellungen:
1.
Gegenüberstellung: Nestorios teilt den einen in zwei Söhne und bekennt die Jungfrau Maria als CristotÒkoj
(§ 9). Die
Antiochener dagegen nennen die heilige Jungfrau qeotÒkoj und bekennen den einen Sohn,
Christus und Herr (§ 10).
2.
Gegenüberstellung: Nestorios lehrt die bleibende sun£feia der zwei Naturen und damit dÚo CristoÚj (§ 11). Die Unterzeichner der Union von 433 sprechen dagegen von
der nwsij
und dem einen Christus (§ 12).
3.
Gegenüberstellung: Der mögliche Einwand der Anhänger des Nestorios, dass Kyrill die
Unterscheidung der in der heiligen Schrift enthaltenen Aussagen von bzw. über Christus
entgegen seiner eigenen Lehre zulasse, gilt nicht. Eine Unterscheidung dieser Aussagen ist
keineswegs zu verwerfen, wohl aber deren Aufteilung auf zwei separate Personen. Nicht auf
zwei unterschiedene Naturen beziehen sich die Aussagen von bzw. über Christus, sondern
lediglich mal mehr auf die Gottheit, mal mehr auf die Menschheit des einen Sohnes. Einige
Aussagen nehmen auch eine Zwischenposition ein, indem sie sich auf die Gottheit und
Menschheit Christi zugleich beziehen (§ 13 sowie §§ 16-17).
4. Gegenüberstellung:
Nestorios trennt die beiden Naturen voneinander. Die Antiochener dagegen kennen eine
bloße Unterscheidung der Naturen; sie ist ein Zugeständnis an die Unterschiedenheit von
Gott- und Menschheit n
poiÒthti fusikÍ (§§ 14-15).
Zusammenfassung:
Die Unterzeichner der Unionsformel
trennen also nicht den einen Christus, sondern kennen lediglich eine Aufteilung der
Aussagen von bzw. über Christus auf die Gottheit und Menschheit des einen Sohnes (§ 18).
Kyrill gliederte den Hauptteil seines Schreibens bewusst in
mehrere solche Gegenüberstellungen. Sie sollen verdeutlichen, wie breit dieser Graben
ist, der sich zwischen der Häresie des Nestorios und seiner Anhänger einerseits sowie
der orthodoxen Lehre der Unterzeichner der Union von 433 andererseits auftut.
Auch mit dem sorgfältigen Gebrauch der in der christologischen Debatte gängigen Termini[46] verfolgt der Alexandriner die Absicht, die großen Differenzen zwischen der christologischen Konzeption seines Gegners und seiner eigenen Lehre von Christus zu verdeutlichen.
In dem Brief begegnet die
Charakterisierung der Jungfrau Maria als CristotÒkoj zweimal, ohne dass Kyrill den
Terminus explizit angreift. Allerdings handelt es sich hierbei um Äußerungen des
Nestorios, die Kyrill zur Kennzeichnung der Häresie seines Gegners zitiert[47].
Kyrill betont im Folgenden ausdrücklich, dass die Antiochener die heilige Jungfrau
dagegen qeotÒkoj nennen[48].
Die Union von 433 trennt also die Anhänger des Nestorios und die Antiochener. Sie zählen
nicht zum Gefolge des Geächteten; bekennen sie doch, dass die Jungfrau Maria qeotÒkoj ist[49].
Wer über die Art der
Fleisch- und Menschwerdung nachdenkt, der wird sie als die nwsij der zwei Naturen erkennen;
dieser Gedanke eint Kyrill nach
seinem eigenen Urteil mit den Antiochenern[50]. Nestorios vertrete
dagegen die sun£feia der zwei Naturen, behauptet Kyrill; als Beleg dienen
ihm wiederum mehrere Äußerungen des Geächteten[51]. Der Alexandriner
verwendet diese Terminologie in dem Brief konsequent zur Unterscheidung der beiden
christologischen Alternativen. Die Position Kyrills und der Antiochener findet ihren
Ausdruck in dem Bekenntnis zur nwsij
der Naturen[52].
Wer dagegen wie Nestorios und dessen Anhänger eine bloße sun£feia der zwei Naturen behauptet, der macht sich der Häresie schuldig.
Kyrill betont in dem Brief immer wieder, dass die Antiochener ebenso wie er selbst den einen Sohn, Christus und Herrn bekennen[53]. Dem ehemaligen Bischof von Konstantinopel unterstellt er, dass er zum einen den einen in zwei Söhne teile[54] und zum anderen dÚo CristoÚj lehre[55]. Die Alternative, die Kyrill mit dieser Gegenüberstellung eröffnet, soll wiederum deutlich machen: Die Antiochener sind zur rechten Lehre von Christus zurückgekehrt, Nestorios und seine Anhängerschaft haben sich endgültig von ihr abgekehrt.
Zwar verwendet Kyrill die Begriffe prÒswpon und ØpÒstasij in dem Brief auch parallel[56]; dennoch sind sie nicht einfach untereinander austauschbar: Zweimal sagt er, dass Christus für die Antiochener ein prÒswpon hat[57]; dass sie analog dazu von der einen ØpÒstasij sprechen würden, davon weiß Kyrill jedoch nichts. Den möglichen Einwand seiner Gegner, Kyrill erlaube es nicht von zwei prÒswpa oder Øpost£seij zu sprechen[58], kann er nur bestätigen: Die Aufteilung der in der heiligen Schrift enthaltenen Aussagen von bzw. über Christus auf zwei prÒswpa oder Øpost£seij ist verwerflich; daran hält der Alexandriner fest[59]. Von dieser parallelen Verwendung der beiden Termini kann jedoch nicht auf deren Gleichsetzung durch Kyrill geschlossen werden. So räumt er zwar im Folgenden der Unterscheidung der Øpost£seij ihre Berechtigung ein[60], vermeidet es aber bewusst, den Terminus prÒswpon zu verwenden.
Zweimal betont Kyrill, dass die Natur des Logos bzw. Sohnes eine ist[61], und bleibt damit seiner christologischen Formel treu[62]. Schon davor grenzt er sich gegenüber einer die zwei Naturen vor der nwsij leugnenden Häresie ab, die mit dieser Redeweise nicht in Zusammenhang zu bringen sei[63]. Kyrill selbst kann von dÚo fÚseij ¹nîsqai sprechen[64], betont aber noch im selben Satz die m a fÚsij toà Øioà nach der nwsij[65]. Die Anerkennung einer diafor¦ tîn fÚsewn nach der nwsij ergibt sich für den Alexandriner aus der bezüglich ihrer Natur unterschiedlichen Beschaffenheit der Gottheit und Menschheit Christi[66]. Den scheinbaren Widerspruch zwischen einem Beharren auf der m a fÚsij toà Øioà einerseits und der Anerkennung einer diafor¦ tîn fÚsewn andererseits[67] versucht Kyrill dahingehend aufzulösen, dass das Unterscheiden tîn fÚsewn auf rein begrifflicher Ebene erfolgt[68]. Anders als die Antiochener, deren christologische Konzeption auch hier nach Kyrills eigener Darstellung mit der seinen übereinstimmt[69], trennt Nestorios die Naturen nach der nwsij. Das behauptet der Alexandriner unter Verwendung bestimmter Termini, die er auf diese Weise negativ füllt[70]. Die scheinbar uneinheitliche Verwendung der Begriffe diafor£ und di£foron rührt von daher, dass Kyrill die Vokabel di£foron zusammen mit einem Zitat in den Brief aufnahm es handelt sich um die durch Johannes von Antiochien in Umlauf gebrachte Behauptung, dass Kyrill das di£foron tîn fÚsewn bekenne und die in der heiligen Schrift enthaltenen Aussagen von bzw. über Christus analog dazu aufteile[71]. Der Alexandriner weist diese Unterstellung zurück: Zwar habe er die diafor£ tîn fwnîn niemals bestritten; Kyrill erkennt sie jedoch nur an, weil der Herr göttlich und menschlich zugleich spricht, und verneint abschließend, dass die diafor£ tîn fwnîn zugleich das di£foron tîn fÚsewn beinhalte[72].
5
Kyrills Interpretation der Unionsformel nach §§ 13-17
Die Darstellung der Gliederung des Briefes und der in ihm verwendeten Terminologie konnte aufzeigen, wie Kyrill hier einerseits auf die Bitte seines Adressaten einging, ein klares Votum über die Lehre von zwei Naturen nach der Einung abzugeben, und andererseits dem Vorwurf begegnete, er habe sich mit seiner Zustimmung zur Unionsformel die christologische Position seines Gegners Nestorios zu Eigen gemacht: Er stellte die Häresie des ehemaligen Bischofs von Konstantinopel und die orthodoxe Lehre der wiedervereinten Kirchen als zwei sich einander ausschließende christologische Positionen gegenüber. Kann der Alexandriner diese auf formaler Ebene eröffnete Alternative, die zudem nicht ohne Polemik gegenüber dem Verurteilten und seinen Anhängern auskommt[73] und schlimmer noch auf eine in Teilen entstellende Darstellung der christologischen Konzeption des Nestorios angewiesen ist[74], aber auch inhaltlich füllen? Dazu müsste Kyrill einen Lösungsansatz unterbreiten, der zwischen denjenigen Aussagen innerhalb der Unionsformel, die zwei Naturen nach der Einung implizieren, und dem eigenen Bekenntnis zur m a fÚsij vermitteln kann.
Die Unionsformel[75] musste bei einem so entschiedenen Verfechter der m a fÚsij wie Akakios von Melitene besonders an zwei Punkten auf Widerspruch stoßen[76]. Der Beginn der Formel lautet: `Omologoàmen toigaroàn tÕn kÚrion ¹mîn 'Ihsoàn CristÒn, tÕn uÕn toà qeoà tÕn monogenÁ, qeÕn tleion ka ¥nqrwpon tleion k yucÁj logikÁj ka sèmatoj [...][77]; das Bekenntnis zum vollkommenem Gott und vollkommenem Menschen konnte dabei als eine implizite Redeweise von den zwei Naturen in Christus verstanden werden[78]. Anstoß erregen musste auch der letzte Abschnitt innerhalb der Formel, der sich mit den Aussagen der Evangelien und Apostel über den Herrn beschäftigt: t¦j d eÙaggelik¦j ka ¢postolik¦j per toà kur ou fwn¦j smen toÝj qeolÒgouj ¥ndraj t¦j mn koinopoioàntaj æj f nÕj prosèpou, t¦j d diairoàntaj æj p dÚo fÚsewn, ka t¦j mn qeoprepej kat¦ t¾n qeÒthta toà Cristoà, t¦j d tapein¦j kat¦ t¾n ¢nqrwpÒthta [aÙtoà] paradidÒntaj.[79] Die Zurückweisung einer solchen Formulierung war von einem konservativen Anhänger Kyrills wie Akakios umso eher zu erwarten, als der Alexandriner das vierte ¢n£qema seines dritten Briefes an Nestorios gegen ein Aufteilen dieser Aussagen über den Herrn auf prosèpoij dusn À goàn Øpost£sesin ausgesprochen hatte[80].
Konnten die Verfechter der zwei Naturen in Christus den Bischof von Alexandrien mithin nicht vor die Alternative stellen, entweder sein freilich in den Anathematismen noch zugespitztes Bekenntnis zur m a fÚsij im Sinne der Unionsformel zu modifizieren, oder uneingeschränkt an der m a fÚsij festhaltend die trotz offenkundiger Zustimmung bleibende Ablehnung dieser Formel einzugestehen?[81] Kyrill stand demnach vor der Aufgabe, das Verhältnis des letzten Abschnittes der Unionsformel zu dem vierten ¢n£qema so zu bestimmen, dass fortan den Verfechtern der zwei Naturen in Christus das Misstrauen gegenüber seinem Christusbild genommen, seinen konservativen Anhängern aber die Rezeption der Formel erleichtert wurde. Genau dieser Problemstellung wendet sich der Alexandriner in dem inhaltlich zentralen Abschnitt seines Briefes an Akakios von Melitene (§ 13-17) zu[82].
§ 13: Kyrill hält sowohl an seinem ¢n£qema als auch an der Unionsformel fest. Denn hier handelt es sich nicht um einander widersprechende Lehrsätze, sondern zwei verschiedene Arten des Umgangs mit den Aussagen über den Herrn werden diskutiert: Die Unionsformel erlaubt es zu Recht, diese Aussagen zu unterscheiden; das vierte ¢n£qema richtet sich dagegen, diese Aussagen über das bloße Unterscheiden hinaus prosèpoij dusn À goàn Øpost£sesin zuzuweisen. Dieses Aufteilen der Aussagen über den Herrn ist verwerflich, weil so der Eindruck entstehen könnte, dass sie sich tatsächlich zwei unterschiedenen prÒswpa[83] zuordnen ließen; die Identifizierung mit der Häresie des Nestorios nach Kyrill handelt es sich um die Irrlehre, dass zwei Söhne bzw. dÚo CristoÚj existieren wäre dann nur noch ein kleiner Schritt.
§§ 14-15: Die Diskussion über den Umgang mit diesen Aussagen führt also geradewegs in die christologische Problematik hinein. In dem nachfolgenden Gedankengang stellt Kyrill dar, welche Grundentscheidungen innerhalb seiner Christologie es ihm ermöglichten, zwischen einem Unterscheiden der Aussagen über den Herrn und einem Aufteilen dieser Aussagen auf prosèpoij dusn À goàn Øpost£sesin zu differenzieren; das Bekenntnis zur m a fÚsij toà lÒgou, und zwar des Fleisch und Mensch gewordenen lÒgoj, stellt er diesem Exkurs bewusst voran. Demnach ist es die poiÒthj fusikÁ, die ein Unterscheiden der Naturen und damit auch der Aussagen über den Herrn ermöglicht: oÙ g£rtoi tautÕn æj n poiÒthti fusikÍ qeÒthj te ka ¢nqrwpÒthj.[84] Die tîn fÚsewn À goàn Øpost£sewn diafor£[85] bedeutet jedoch keine Verkürzung der nwsij der Naturen, die für den Alexandriner ja eine grundlegend soteriologische Funktion besitzt[86]: Der menschliche Verstand darf die ¢porr»twj te ka ¢sugcÚtwj[87] zusammengefügten Elemente, aus denen Christus besteht, in keiner Weise trennen; zudem unterscheidet er sie lediglich auf begrifflicher Ebene[88]. Denn Christus ist wahrhaft einer und auch sein prÒswpon ist eines. Die kakodox a des Nestorios ist gänzlich verschieden von dieser Betrachtungsweise, trennt er doch die beiden Naturen voneinander.
§§ 16-17: Die Unterscheidung der Aussagen der Evangelien und Apostel über den Herrn ist also ein Zugeständnis an die Unterschiedenheit von Gott- und Menschheit in Hinblick auf die jeweils eigentümliche Beschaffenheit der Natur. Dass eine solche poiÒthj fusikÁ der Gott- bzw. Menschheit existiert, ist der heiligen Schrift selbst zu entnehmen. Denn nicht alle der in ihr enthaltenen Aussagen reden in der gleichen Art und Weise über den Herrn. Einige unter ihnen zeigen Christus von seiner göttlichen Seite[89], andere wiederum charakterisieren ihn als Menschen[90]. Eine dritte Gruppe von Aussagen macht Christus als den sichtbar, der Gott und Mensch zugleich ist[91]. Die Unterscheidung der Aussagen kann aber nie so weit gehen, dass etwa einige unter ihnen vollständig dem Gott oder vollständig dem Menschen zugewiesen werden könnten; das käme einer Trennung des einen prÒswpon gleich die Irrlehre des Nestorios. Kyrills abschließende Warnung lautet darum: m¾ to nun dilVj n toÚtoij t¦j p tù kur ù fwn£j (cousi g¦r n tautù tÕ qeoprepj ka tÕ ¢nqrèpinon), f£rmoson d m©llon aÙt¦j æj n tù uù [ ][92].
Mit seinem Ansatz, das Unterscheiden der Aussagen über den Herrn zuzulassen, ihr Aufteilen aber zu verwerfen[93], gelang es Kyrill, an der Personeinheit Christi festzuhalten, die mit dem Terminus nwsij auf den Punkt gebracht ein zentrales Element seiner Christologie darstellte. So vollzieht sich das Unterscheiden lediglich auf gedanklicher Ebene, ohne damit eine ontologisch qualifizierte Aussage über Christus zu treffen. Das gewichtigste Argument für das eine prÒswpon ergibt sich jedoch aus dem Charakter der Aussagen über den Herrn selbst: bei weitem nicht alle unter ihnen ließen sich entweder dem Gott oder dem Menschen zuweisen, sondern es gibt auch die dritte Gruppe von Aussagen, nämlich diejenigen, die auf die qeÒthj te ka ¢nqrwpÒthj zugleich bezogen werden müssen. Die n poiÒthti fusikÍ unterscheidbaren Bezugsgrößen qeÒthj te ka ¢nqrwpÒthj müssen also dem einen prÒswpon zugleich eigentümlich sein: es ist der eine Christus, der spricht und handelt, be- und angesprochen wird.
Die je eigentümliche Beschaffenheit der qeÒthj te ka ¢nqrwpÒthj bezüglich der Natur findet ihren Ausdruck in dem unterschiedlichen Charakter der Aussagen der Evangelien und Apostel über den Herrn; wie aber stellt sich Kyrill das Ineinander von Unterschiedenem und Geeintem vor? Wenn er die nwsij als ¢porr»twj te ka ¢sugcÚtwj charakterisiert, dann stellt er zwar richtig fest, dass bei einer Vermischung nicht mehr n poiÒthti fusikÍ unterschieden werden könnte; über die Identifikation der nwsij mit der Fleisch- und Menschwerdung des qeÕj ín Ð lÒgoj hinaus bleibt jedoch für Kyrill jener Vorgang geheimnisvoll, der die Trennung tîn fÚsewn aufhebt, während die Notwendigkeit, sie zu unterscheiden, erhalten bleibt[94].
Weniger die Betonung des Geheimnischarakters der Fleisch- und Menschwerdung als vielmehr die Tatsache, dass der Alexandriner das Unterscheiden tîn fÚsewn lediglich auf gedanklicher Ebene vollzogen wissen wollte, hätte zweifellos den Widerspruch der Antiochener hervorgerufen[95]. Zudem beharrte Kyrill weiterhin auf der Formel von der m a fÚsij[96], obwohl doch die Unionsformel deutlich von einem Unterscheiden der Aussagen über den Herrn æj p dÚo fÚsewn spricht[97].
Kyrills Brief richtete sich jedoch nicht an einen Vertreter der
Antiochener, sondern an einen seiner entschiedensten Anhänger und Weggefährten. Mit
Wohlwollen dürfte der Bischof von Melitene Kyrills Festhalten an der m
a fÚsij aufgenommen
haben. Ob er das Unterscheiden der Aussagen über den Herrn
analog zu einer
Unterscheidung der Naturen, die für den Alexandriner
ja ein Zugeständnis an die Unterschiedenheit von Gott- und Menschheit n
poiÒthti fusikÍ ist
akzeptierte oder ablehnte, bleibt offen. Möglicherweise wurde ihm seine Zustimmung
erleichtert, insofern Kyrill dieses Unterscheiden auf eine rein gedankliche Ebene
verlagert hatte.
Kyrill wollte in seinem Brief an Akakios von Melitene nicht nur darüber berichten, wie die Einheit unter den Kirchen wiedererlangt worden war. Gerüchte, die ihm ein Abrücken von den Beschlüssen des Ephesinischen Konzils unterstellten, und das Gefühl, gegenüber seinem treuen Anhänger verpflichtet zu sein, nötigten den Alexandriner dazu, sich gegenüber der Formel zu positionieren, die ursprünglich von den Antiochenern vorgelegt zum sichtbaren Ausdruck der Einheit erklärt worden war. Die Vorbehalte, die ein so entschiedener Verfechter der m a fÚsij wie Akakios gegenüber der Unionsformel haben musste, konnte Kyrill ausräumen, indem er seiner Lesart der Formel die Häresie des Nestorios gegenüberstellte. Vor ihrem dunklen Hintergrund, in den der Alexandriner mit schwärzendem Pinselstrich die Irrlehre von den zwei Söhnen einzeichnete, konnte er die orthodoxe Gesinnung der antiochenischen Brüder und die Rechtgläubigkeit ihrer Formel herausstreichen. In vier Gedankengängen stellt er die sich gegenseitig ausschließenden christologischen Konzeptionen gegenüber, deren Verschiedenheit durch einen sorgfältigen Gebrauch der gängigen Termini unterstrichen wird. In dem inhaltlich zentralen Teil des Briefes (§§ 13-17) gelingt es dem Bischof von Alexandrien zu zeigen, dass sein viertes ¢n£qema mit dem letzten Abschnitt der Unionsformel vereinbar ist. Der so verstandenen Formel kann Akakios demnach ohne Bedenken zustimmen, das ist die Botschaft Kyrills an seinen Adressaten. Die ursprüngliche christologische Konzeption, die hinter der Unionsformel stand, war so freilich durch Kyrills Interpretationsansatz überlagert worden: die antiochenischen Brüder wären ihm darin nicht gefolgt.
Der Brief an Akakios zeigt so zum einen, dass Kyrill trotz einer offenkundigen Anerkennung der Unionsformel nicht daran dachte, von seiner christologischen Konzeption abzurücken; er suchte und fand Interpretationsansätze, die ihn vor den Vorwürfen, er habe seine eigene Position aufgegeben bzw. habe sich den Inhalt der Unionsformel nicht zu Eigen gemacht, bewahren konnten. Zum anderen wird deutlich, dass dieser Formel tatsächlich ein Kompromisscharakter innewohnte, insofern sie sowohl von den Antiochenern, die sie ja vorgelegt hatten, als auch von Kyrill und seinen Anhängern angenommen werden konnte. Und doch war es kein echter Kompromiss; beide Gruppen hatten eine bleibend unterschiedliche Auffassung über die hinter der Formel stehende christologische Konzeption[98]. Dem im Jahr 433 erreichten Frieden zwischen den Kirchen drohten so bald neue Gefahren: Es war der Archimandrit Eutyches[99], der mit seiner radikalen Behauptung der m a fÚsij nach der nwsij die Unionsformel in Frage stellte. Mit seiner Rehabilitierung auf der Räubersynode des Jahres 449 er war im Jahr 448 wegen seiner Irrlehre exkommuniziert worden war die Formel schließlich stillschweigend beseitigt worden[100]; nie zuvor standen die Kirchen so nahe vor dem endgültigen Verlust ihrer Einheit.
1 Quellen
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Enchiridion Symbolorum Definitionum et Declarationum de rebus fidei et morum, Denzinger, H. (Begr.), Hünermann, P. (Hrsg.), Freiburg/Basel/Rom/ Wien 371991.
2.1 Wörterbücher
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Liddell, H. G./Scott, R./Jones, H. St., A Greek-English
Lexicon, compiled by H. G. Liddell and R. Scott, rev. and augmented throughout by H. St.
Jones etc., Oxford 1968.
Pons-Globalwörterbuch Lateinisch-Deutsch, bearbeitet. Von Rita Hau unter Mitwirkung von Eberhard Kulf. Neubearbeitung unter Mitwirkung von Sabine Grebe u. a., 21986.
2.2 Grammatiken
Bornemann, E./Risch, E., Griechische Grammatik, Frankfurt/M. 21978.
2.3 Arbeitsbücher
Markschies, C., Arbeitsbuch Kirchengeschichte, Tübingen 1995.
2.4 Nachschlagewerke
Geerard, M., Clavis Patrum Graecorum quae optimae quaeque
scriptorum patrum graecorum recensiones a primaevis saeculis usque ad octavum commode
recluduntur, Turnhout 1979ff (CPG).
Historisches Wörterbuch der Philosophie, Ritter, J./Gründer, K. (Hrsg.), Basel/Darmstadt 1971ff.
Lexikon für Theologie und Kirche, Kasper, W. (Hrsg.), Freiburg/Basel/Rom/ Wien 1993ff.
Reallexikon für Antike und Christentum, Dassmann, E. (Hrsg.), Stuttgart 1950ff.
Religion in Geschichte und Gegenwart: Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, Tübingen 41998ff.
Theologische Realenzyklopädie, Krause, G./Müller, G. (Hrsg.), Berlin/New York 1977ff.
3.1 Allgemeine Werke
Altaner, B./ Stuiber, A., Patrologie, Freiburg/Basel/Wien 81978.
Beyschlag, K., Grundriß der Dogmengeschichte, Bd. II Gott und Mensch. Teil 1 Das christologische Dogma, Darmstadt 1991 (Beyschlag, Dogmengeschichte II/1).
Drobner, H. R., Lehrbuch der Patrologie, Freiburg/Basel/Wien 1994 (Drobner, Patrologie).
Fraisse-Coué, C., Die theologische Diskussion zur Zeit Theodosius II.: Nestorius, in: Die Geschichte des Christentums, Bd. 2, Das Entstehen der einen Christenheit (250-430), Freiburg/Basel/Wien 1997, S. 570-626 (Fraisse-Coué, Nestorius).
Grillmeier, A., Jesus der Christus im Glauben der Kirche, Bd. I: Von der apostolischen Zeit bis zum Konzil von Chalkedon (451), Freiburg/Basel/Wien 1979 (Grillmeier, Jesus der Christus I).
Grillmeier, A., Jesus der Christus im Glauben der Kirche, Bd. II/1: Das Konzil von Chalkedon (451) Rezeption und Widerspruch (451-518), Freiburg/Basel/Wien 1986 (Grillmeier, Jesus der Christus II/1).
De Halleux, A., Cyrill von Alexandrien, in: Klassiker der Theologie, Fries, H./Kretschmar, G. (Hrsg.), Bd. 1 Von Irenäus bis Martin Luther, München 1981, S. 130-149 (de Halleux, Cyrill von Alexandrien).
Liébaert. J., Christologie. Von der apostolischen Zeit bis zum Konzil von Chalcedon (451), in: Handbuch der Dogmengeschichte, Schmaus, M./Grillmeier, A. (Hrsg.), Bd. III/1a Christologie Soteriologie Mariologie, Freiburg/Basel/Wien 1965.
Stead, C., Philosophie und Theologie I. Die Zeit der Alten Kirche, Stuttgart/Berlin/Köln 1990 (Stead, Philosophie und Theologie I).
Winkelmann, F., Die östlichen Kirchen in der Epoche der christologischen
Auseinandersetzungen (5. bis 7. Jhd.), Berlin 31988, in: Kirchengeschichte in
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3.2 Monographien
McGuckin, J. A., St. Cyril of Alexandria, The
Christological Controversy: Its History, Theology, and Texts, Leiden/New York/Köln 1994,
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Weigl, E., Christologie. Vom Tode des Athanasius bis zum Ausbruch des Nestorianischen Streites (373-429), in: Münchener Studien zur Historischen Theologie, Bd. 4, München/Kempten 1923, Nachdruck: Hildesheim 1973.
3.3 Zeit- und Festschriftenaufsätze
Abramowski, L., Der Streit um Diodor und Theodor zwischen den beiden ephesinischen Konzilien, in: ZKG 67 (1955/56), S. 252-287.
De Halleux, A., Le dyophysisme christologique de
Cyrille dAlexandrie, in: Brennecke, H. C./Grasmück, E. L./Markschies, C. (Hrsg.),
Logos, FS Luise Abramowski, BZNW 67 (1993), S. 411-428 (de Halleux, Le dyophysisme
christologique).
[1] Ps 96,11 (LXX: 95,11).
[2] Kyrills sog.
Laetentur-Brief an Johannes von Aniochien (ep. 39); ACO I,1,4, S. 15,22-20,13.
[3] Vgl. dazu: die Praefationes zu ACO I,1,1 und I,1,4; Grillmeier, Jesus der Christus II/1, S. 22-32; Altaner, B./Stuiber, A., Patrologie, S. 245-249.
[4] Zu den Versionen des Briefes Kyrills an Akakios von Melitene (ep. 40) vgl. CPG III, Nr. 5340. Die Lateinischen Übersetzungen der Synodalakten entstanden überwiegend im Kontext des sogenannten Dreikapitelstreits, also erst im sechsten Jahrhundert. Als Bestandteil der Akten wurde auch der Brief Kyrills an Akakios von Melitene (ep. 40) übersetzt; eine lateinische Fassung dieses Briefes ist in der Collectio Turonensis enthalten (CT 76; vgl. ACO I,3, S. 193-203); Rusticus übernahm diese Übersetzung in seine Sammlung (Collectio Casinensis 172a). Eine andere Übersetzung befindet sich in einer weniger umfangreichen Sammlung (Collectio Sichardiana 9; vgl. ACO I,5, S. 303-307); erhalten ist aber nur die zweite Hälfte des Briefes (ab ACO I,1,4, S. 25,22). Die Übersetzungen ins Syrische und Armenische dürften zeigen, dass sowohl die armenische als auch die westsyrische Kirche in dem Brief Kyrills an Akakios ein orthodoxes Zeugnis ihrer monophysitischen Position erblickte (zur Entstehung der syrischen und armenischen Übersetzungen Kyrills vgl. auch: de Halleux, Cyrill von Alexandrien, S. 146).
[5] Vgl. dazu: ACO I,1,4, S. XXVII.
[6] Die Synodalakten werden im Wesentlichen von drei großen Sammlungen überliefert: Vaticana (V), Seguierana (S) und Atheniensis (A). Zwei kleinere Sammlungen sind nennenswert: zum einen eine kürzere Rezension der Collectio Vaticana (MP), zum anderen eine Rezension der Collectio Seguierana (D).
[7] Es werden im Folgenden die von Schwartz eingeführten Sigla verwendet (vgl. ACO I,1,4, S. XXVIIII).
[8] Schwartz meint, dass die Collectio Vaticana [..] ordine et copia ceteras superet quamvis aetate inferior [ ] (ACO I,1,1, S. I).
[9] V 128, S 90 und A 127.
[10] Schwartz hatte die Synodalakten neu ediert und [...] in seiner Ausgabe als erster das Faktum zur Geltung gebracht, daß die Konzilsakten von Ephesus 431 bis Konstantinopel 553 (und darüber hinaus) in Sammlungen überliefert sind, die wie auch ihre Übersetzungen eine verschiedene Einstellung zu den Konzilsentscheidungen verraten können. (Grillmeier, Jesus der Christus II/1, S. 25). Zudem ist dieses Editionswerk früheren Ausgaben von Konzilsakten vorzuziehen, insofern es alle erreichbaren Sammlungen und Codices berücksichtigt und sorgfältig erarbeitet wurde. Zu den früheren Editionen und ihrer z. T. äußerst kritischen Beurteilung durch Schwartz vgl.: ACO I,1,1, S. XVII-XX.
[12] [...] tota moles
actorum dividetur in tres partes, in ea quae ipsis gestis praemittuntur, deinde gesta et
quae cum illis coniuncta sunt, usque ad Maximiani ordinationem, denique ea quae ad pacem
pertinent quae facta est inter Cyrillum Iohannemque Antiochenum. (ACO I,1,4, S. X).
[13] Vgl.: ACO I,1,4, S. 21,1f. Zur Intention des Schreibens vgl. auch den Abschnitt über Tenor und Charakter des Briefes.
[14] Vgl.: ACO I,1,4, S. 31,7f.
[15] Zur Auflösung der Sigla vgl.: ACO I,1,4, S. XXVIIII. Über Alter und Qualität der wichtigsten Handschriften informiert Schwartz knapp in: ACO I,1,1, S. I-XII.
[16] Im Codex U klafft eine Lücke zwischen ACO I,1,4, S. 21,10 und S. 24,7.
[17] Der Codex ?d überliefert den Text erst ab ACO I,1,4, S. 25,22.
[19] Bei dem überwiegenden Teil der Lesarten handelt es sich um typische Fehler (beim Abschreiben): Auslassungen, Umstellungen, Verwendung anderer Verbformen und Lesefehler. Es wurde versucht, für die Textkritik drei eher ungewöhnliche und mithin interessante Lesarten auszuwählen.
[20] Diese Lesart wird auch von der armenischen Übersetzung der Schrift Adversus duas naturas dicentes des Timotheus Älurus bezeugt.
[21] Zur Formel von der m a fÚsij toà qeoà lÒgou sesarkomnh (ou) vgl.: Grillmeier, Jesus der Christus I, S. 674 und S. 684.
[22] ACO I,1,4, S. 26,8f. Die beiden Termini können der Formel einen unterschiedlichen Charakter verleihen: Die Rede von der einen Natur des Sohnes wendet sich gegen die Häresie des Nestorios, der angeblich den einen in zwei Söhne teilt (ACO I,1,4, S. 24,26; 29,2f.). Weniger scharf ist die Formulierung m a fÚsij toà [qeoà] lÒgou [sesarkomnh (ou)], die die Existenz zweier Naturen nach der Einung nicht notwendig ausschließt (vgl. dazu Grillmeier, Jesus der Christus I, S. 679-682).
[23] Kyrill spricht so gut wie nie von zwei Øpost£seij. Im Gegenteil: innerhalb der m a-fÚsij-Formel kann er fÚsij durch ØpÒstasij ersetzen (vgl.: Grillmeier, Jesus der Christus I, S. 674). Ähnlich nun wie bei dieser Formel verwendet er jedoch auch in seinem Brief an Akakios die beiden Termini parallel, wenn er eine Unterscheidung tîn fÚsewn À goàn Øpost£sewn freilich in einer bestimmten Weise für möglich erklärt (ACO I,1,4, S. 26,25f.). Zum Verhältnis der beiden Termini bei Kyrill vgl. auch: Grillmeier, Jesus der Christus I, S. 683.
[24] n ist gegenüber n lediglich eine andere Möglichkeit, en zu akzentuieren; sie ergibt sich aus dem möglichen Lesefehler aÙtî (anstatt aÙtoà).
[25] Über den Verlauf der Unionsverhandlungen informiert ausführlich: Fraisse-Coué, Nestorius, S. 617-624.
[26] Kyrills Darstellung des Friedensprozesses erweckt den Eindruck, die Antiochener hätten sich ihm gegenüber in nahezu allen Fragen gebeugt. Dass Kyrill das Beharren auf seinen den Antiochenern diktierten Friedensbedingungen herausstellt, ist ein Zugeständnis an seinen Adressaten (vgl. den Abschnitt zum Tenor und Charakter des Briefes).
[27] So z. B.: McGuckin, St. Cyril of Alexandria, S.
114 ; Fraisse-Coué, Nestorius, S. 624; Drobner, Patrologie, S. 372.
[28] Kyrill reagierte mit dem langen Schreiben an Akakios von Melitene auch auf dessen an ihn gerichteten Brief, über den er nach seinen eigenen Worten (vgl.: ACO I,1,4, S. 20,25-21,1) sehr erfreut war. Ein weiterer Aufschub der Beantwortung dieses Briefes nach dem Erreichen der Einigung unter den Kirchen wäre gegenüber dem alten Verbündeten unhöflich gewesen. Auch diese Tatsache spricht dafür, dass Kyrill den Brief an Akakios von Melitene noch im Frühjahr des Jahres 433 abgefasst hat (zum Brief des Akakios an Kyrill und dessen Datierung s. hier).
[29] Einen knappen Überblick zu Leben, Werk und Theologie des Alexandriners gibt: Hardy, E. R., Art.: Cyrillus von Alexandrien, in: TRE 8 (1981), S. 324-330.
[30] Vgl. den Eingang seines sog. Laetentur-Briefes an Johannes von Antiochien (ep. 39): ACO I,1,4, S. 15,24-16,6.
[31] Fraisse-Coué, Nestorius, S. 622, nennt als Beispiel [...] Bischof Isidor von Pelusium, der der Sympathie gegenüber den Orientalen wenig verdächtig ist. (a. a. O., Anm. 274).
[32] Vgl. Ep. 51 von Papst Sixtus III. an Kyrill von Alexandrien (ACO I,2, S. 107f.): Magna sumus laetitia alacritatis impleti [...] (a. a. O., S. 107,8f).
[33] Zu Akakios von Melitene vgl.: Hainthaler, Th., Art.: Acacius von Melitene, in: RGG4 1 (1998), Sp. 95f. Zu Melitene, einem Bischofssitz in der Provinz Armenia, vgl.: Rexin, G., Art.: Melitene, in: LThK 7 (1998), Sp. 85.
[34] Fraisse-Coué, Nestorius, S. 602. Acacius wurde von den Antiochenern als ein Anhänger der Anathematismen betrachtet. Er war jedenfalls derjenige der Bischöfe von Pontus, der sich am entschiedensten gegen Nestorius wandte [...] (a. a. O., Anm. 182).
[35] ACO I,1,2, S. 90-92.
[36] Vgl. z. B. die folgende Aussage vom göttlichen Logos:
¢paq¾j ín oÙ parVt»sato, ¢ll¦ tù paqhtù sun£yaj autÒn
oÛtw t¦ Øpr moà dxato p£qh. (ACO I,1,2, S. 91,23f.).
[37] ACO I,1,7, S. 77,24.
[38] Vgl. den dritten Brief der Antiochener, ACO I,1,7, S. 77,23-26.
[39] Der Brief ist in lateinischer Übersetzung überliefert; zudem existieren zwei Fassungen: ACO I,4, S. 118f. sowie S. 232.
[40] ACO I,4, S. 118,28-30 bzw. S. 232,18f (für dicunt steht in ACO I,4, S. 232,19 dicentes; für proprie unamquamque in ACO I,4, S. 232,19 semotim quamque).
[41] Zur Diskussion, ob der Brief in das Jahr 433 zu datieren ist oder in den Kontext der späteren Auseinandersetzungen um Diodor und Theodor gehört, vgl.: Abramowski, L., Der Streit um Diodor und Theodor zwischen den beiden ephesinischen Konzilien, in: ZKG 67 (1955/56), S. 252-287, hier: Anm. 31.
[42] Kyrill selbst berichtet in seinem Schreiben an Akakios von der Existenz solcher Briefe; vgl.: ACO I,1,4, S. 29,16-18; 30,27f.
[43] Vgl. bes.: ACO I,1,4, S. 30,27-31,2.
[44] Das wird nicht nur an der Gliederung des Hauptteiles (vgl. den Abschnitt zur Gliederung des Briefes; S. 9f.), sondern auch an dem sorgfältigen Gebrauch der unterschiedlichen Termini deutlich (vgl. den Abschnitt über die Terminologie).
[45] Vgl. den entsprechenden Abschnitt in Kyrills Brief an Akakios: ACO I,1,4, S. 23,24-24,11.
[46] Vgl. dazu: Stead, Philosophie und Theologie I, S. 129-139. er geht besonders auf die Termini ØpÒstasij, prÒswpon und fÚsij ein.
[47] ACO I,1,4, S. 24,22.24.
[48] ACO I,1,4, S. 24,29.
[49] ACO I,1,4, S. 28,30-29,1; vgl. das Bekenntnis der Unionsformel: ACO I,1,4, S. 17,15f. (die Formel wird hier und im Folgenden nach Kyrills sog. Laetentur-Brief an Johannes von Aniochien (ep. 39) zitiert; vgl. dazu auch Anm. 70).
[50] nwsij bzw. stammverwandte Formen begegnen ausschließlich in Sätzen, die die christologische Position der Antiochener bzw. Kyrills verdeutlichen: ACO I,1,4, S. 25,28; 26,3.7.11; 27,2; 28,30.
[51] sun£feia bzw. stammverwandte Formen begegnen ausschließlich in Zitaten bzw. Kyrills Kennzeichnung der christologischen Denkweise des Nestorios: ACO I,1,4, S. 25,16.18.19.23; 27,8; 28,20f.
[52] Vgl. das Bekenntnis der Unionsformel: ACO I,1,4, S. 17,14.
[53] Vgl. das Bekenntnis der Unionsformel: ACO I,1,4, S. 17,14f.
[54] ACO I,1,4, S. 24,26; 29,2f.
[55] ACO I,1,4, S. 25,23.
[56] ACO I,1,4, S. 26,15.16f.
[57] ACO I,1,4, S. 27,15; 28,4.
[58] ACO I,1,4, S. 26,15.
[59] ACO I,1,4, S. 26,16f.; vgl. das vierte ¢n£qema seines dritten Briefes an Nestorios: ACO I,1,1, S. 41,1-4.
[61] ACO I,1,4, S. 26,8f.21f.
[62] Zur Formel von der m
a fÚsij toà qeoà lÒgou sesarkomnh (ou)
vgl.: Grillmeier, Jesus der Christus I, S. 674 und S. 684.
[63] ACO I,1,4, S. 26,3-5.
[64] ACO I,1,4, S. 26,7.
[65] ACO I,1,4, S. 26,8f.
[66] ACO I,1,4, S. 26,25f.
[67] Grillmeier, Jesus der Christus I, S. 673-686, untersucht diese zweifache Sprache Kyrills. Danach hielt der Alexandriner vor allem deshalb an der m a-fÚsij-Formel fest, weil er fälschlicherweise von deren Rechtgläubigkeit überzeugt war (a. a. O., S. 677). Grillmeier schlussfolgert abschließend, dass [...] Cyrill sachlich die Einheit in Christus ins Personale hineinverlegt, die Zweiheit aber der Natur zuschreibt. (a. a. O., S. 684). Nach Kyrills Brief an Akakios stellt sich der Sachverhalt jedoch anders dar: Demnach ist die Einheit der Naturen in Christus eine unumstößliche und heilsrelevante Glaubensgewissheit sie realisiert sich in der Fleisch- und Menschwerdung des qeÕj ín Ð lÒgoj; die Zweiheit ein Zugeständnis an die diafor¦ tîn fÚsewn n poiÒthti fusikÍ aber bedeutet nicht viel mehr als ein Unterscheiden auf begrifflicher Ebene.
[68] ACO I,1,4, S. 27,12f.
[69] ACO I,1,4, S. 25,28; 27,12f.
[70] Zu der Gegenüberstellung von nwsij vs. sun£feia s. S. 11. cwr zein begegnet in einer von Kyrill zitierten Äußerung Kyrills (ACO I,1,4, S. 27,11). Zweimal begegnet der Terminus dia resij bzw. eine stammverwandte Form: ACO I,1,4, S. 27,16; 28,20.
[71] ACO I,1,4, S. 29,16-18.
[72] ACO I,1,4, S. 30,4-8.
[73] Vgl. bes. den § 5 (ACO I,1,4, S. 22,25-23,12).
[74] Insbesondere der Vorwurf, dass Nestorios den einen in zwei Söhne teile (ACO I,1,4, S. 24,26; 29,2f.) bzw. dÚo CristoÚj lehre (ACO I,1,4, S. 25,23), ist problematisch, da er so nicht zutrifft (vgl. dazu: Grillmeier, Jesus der Christus I, S. 650f.).
[75] Zu den unterschiedlichen Redaktionen und überlieferten Textfassungen der Formel vgl.: Grillmeier, Jesus der Christus I, S. 704, Anm. 12. Die Unionsformel wird im Folgenden nach Kyrills sog. Laetentur-Brief an Johannes von Aniochien (ep. 39) zitiert; sie ist dort in den §§ 4 (Vorwort) und 5 (eigentliche Formel) zu finden: ACO I,1,4, S. 17,1-20.
[76] Beyschlag, Dogmengeschichte II/1, S. 83f., stellt prägnant und schlüssig den Kompromisscharakter der Unionsformel dar, der den konservativen Anhängern der Position Kyrills eine Rezeption ihrer Kernaussagen erschwerte.
[77] ACO I,1,4, S. 17,9f.
[78] Kyrill selbst sah diese Gefahr, ausgehend von der Formulierung qeÕn tleion ka ¥nqrwpon tleion zwei Subjekte in Christus zu behaupten. Er begegnete ihr durch eine Interpretation der Formulierung, die stärker die Einheit des Subjekts betont: [...] tleioj í n qeÒthti ka tleioj Ð ¢utÕj n ¢nqrwpÒthti ka æj n n prosèpJ nooÚmenoj. (ACO I,1,4, S. 18,25f.). Vgl. dazu: Grillmeier, Jesus der Christus I, S. 705f.
[79] ACO I,1,4, S. 17,17-20.
[80] ACO I,1,1, S. 41,1-4.
[81] Der von Kyrill seinen Gegnern in den Mund gelegte Vorwurf er eröffnet den für die Problematik entscheidenden Gedankengang innerhalb seines Briefes an Akakios (§§ 13-17) lautet: In der Frage, ob die Aussagen der Evangelien und Apostel über den Herrn den zwei Naturen zugewiesen werden können, besteht ein deutlicher Widerspruch zwischen Kyrills eigener Lehre und dem letzten Abschnitt der Unionsformel (vgl. ACO I,1,4, S. 26,11-15).
[82] Das Verhältnis des vierten ¢n£qema zum letzten Abschnitt der Unionsformel untersucht auch de Halleux, Le dyophysisme christologique, S. 411-417. Er stellt ausführlich und mit Belegstellen dar, wie sich die unterschiedlichen Positionen bei den Antiochenern Johannes von Antiochien und Theodoret von Kyros einerseits und Kyrill andererseits herausbildeten.
[83] Der Terminus ist hier ganz im Sinne einer seiner Grundbedeutungen als sprechendes (bzw. im Text angesprochenes) Subjekt zu verstehen (vgl. dazu: Stead, Philosophie und Theologie I, S. 136).
[84] ACO I,1,4, S. 26,26 (ähnlich ACO I,1,4, S. 27,13f.). Nach der Unionsformel kommt die qeÒthj in dem ÐmooÚsion tù patr, die ¢nqrwpÒthj in dem ÐmooÚsion ¹mn zum Ausdruck (ACO I,1,4, S. 17,13f.). Dass dem einen Christus sowohl die qeÒthj als auch die ¢nqrwpÒthj eigentümlich sind, wird also vorausgesetzt; die Formel selbst geht mit dem Bekenntnis, dass Christus qeÕn tleion ka ¥nqrwpon tleion sei, noch einen Schritt weiter (ACO I,1,4, S. 17,10).
[85] Kyrill verwendet an dieser Stelle die beiden Termini parallel (zum textkritischen Befund s. hier). Wie Grillmeier, Jesus der Christus I, S. 683, zeigt, lassen sich fÚsij und ØpÒstasij bei dem Bischof von Alexandrien jedoch nicht einfach gleichsetzen.
[86] Vgl. dazu: de Halleux, Le dyophyisme christologique, S. 424; Beyschlag, Dogmengeschichte II/1, S. 75f.
[87] ACO I,1,4, S. 27,1f.
[88] ACO I,1,4, S. 27,12f. Die Herkunft
dieser Konzeption einer division en seuls concepts untersucht mit
zahlreichen Belegstellen de Halleux, Le dyophysisme christologique, S. 417-427. Sein abschließendes Urteil lautet: Cette
idée de la division par les seuls concepts, qui apparaît dès la lettre
festale de 420, pourrait elle-même lui avoir été suggérée à partir dune
apologétique dyophysite modérée, que létat actuel de nos connaissances ne permet
malheureusement pas encore de situer avec précision. (a. a. O., S. 427).
[89] Bei diesen Aussagen rückt sozusagen das ÐmooÚsion tù patr stärker in das Blickfeld; als Beispiel führt Kyrill die johanneischen Immanenzformeln an (Joh 10,30; 14,9f.).
[90] Bei diesen Aussagen rückt sozusagen das ÐmooÚsion ¹mn stärker in das Blickfeld; Kyrill führt ein Schriftzitat an, in dem sich Christus selbst als Mensch bezeichnet (Joh 8,39f.).
[91] qeÒthj te ka ¢nqrwpÒthj sind hier also gleichermaßen im Blick; Beispiele, die Kyrill nennt, sind: Hebr 13,8; 1 Kor 8,5f; Röm 9,3-5.
[92] ACO I,1,4, S. 28,17-19.
[93] Das gleiche gilt im Übrigen für die fÚseij: Ein Unterscheiden der Naturen ist notwendig, ein Trennen ist verwerflich. (Grillmeier, Jesus der Christus I, S. 681, Hervorhebung im Original).
[94] Die Aussagen, die den Gott und Menschen zugleich betreffen, auf den einen Christus zu beziehen, fällt mit Kyrills christologischer Konzeption der nwsij tîn fÚsewn nicht schwer; sie kann jedoch nicht erklären, worauf die Unterschiede der qeÒthj te ka ¢nqrwpÒthj bezüglich ihrer poiÒthj fusikÁ zurückzuführen sind. Umgekehrt die Christologie des Nestorios, der angeblich eine bloße sun£feia tîn fÚsewn lehrt: Aus ihr ergibt sich notwendig das Unterscheiden der Aussagen über den Herrn; die den Gott und Menschen zugleich betreffenden Aussagen sind hingegen schwer erklärbar.
[95] Vgl. Beyschlags Charakterisierung des antiochenischen Ansatzes: Gerade die gott/menschliche Unterscheidung ist hier die denkend zu erfassende christologische Realität [...], während das Wunder der christologischen Personeinheit nur im Bereich des Glaubens, mithin im Vollzug der liturgischen Proskynese zugänglich ist. (Beyschlag, Dogmengeschichte II/1, S. 77; Hervorhebung im Original).
[96] ACO I,1,4, S. 26,8f.21f.
[97] ACO I,1,4, S. 17,19.
[98] Vgl. die treffende
Einschätzung bei de Halleux, Le
dyophysisme christologique, S. 415f.
[99] Zu Eutyches und den Ereignissen um den Archimandriten vgl.: Wickham, L. R., Art.: Eutyches/Eutychianischer Streit, in: TRE 10 (1982), S. 558-565.
[100] So urteilt Beyschlag, Dogmengeschichte II/1, S. 56.
[101] Die Angabe in Klammern gibt die für dieses Werk verwandte Abkürzung wieder.